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Moderne Kolonialherren

Als die Großmächte Europas im letzten und vorletzten Jahrhundert den Kontinent Afrika erst am Reissbrett und dann mit Waffen unter sich aufgeteilt hatten, ging Ägypten als Kolonie an Großbritannien. Haben unsere europäischen Vorväter dieses Volk noch mit Waffengewalt gedemütigt, erledigen wir das heut als Pauschaltouristen mit der Macht unserer harten Währungen. Das stolze Volk ist sich zwar absolut bewusst, das vom Tourismus in ihrem Land so ziemlich alles abhängt, aber sie protestieren dagegen auf ihre, eine ziemlich subtile Weise. Der positiv überraschte Tourist wird auf jede erdenkliche Weise verwöhnt und bedient und ägyptische Köche zaubern Leckereien, wie kandierte Bananen, die schon optisch etwas hergeben, aber so süß und kalorienreich sind, das sie einen Diabetiker sofort ins Zuckerkoma fallen lassen würden. Die ohnehin schon schwer übergewichtigen europäischen weiblichen Touristen greifen natürlich herzhaft zu und haben dann ein Souvenir fürs Leben. Die Landesreligion ist moslemisch, man wirft sich fünfmal am Tag Richtung Mekka und betet zu Allah. Auch die männliche Jugend ist in die Geldbeschaffung integriert und an einer der vielen Schleusen des Nil bekamen wir davon einen bleibenden Eindruck. Laut johlend und mit irgendwelchen bunten Fetzen in den Händen kamen sie in kleinen Booten auf unser Hotel zugepaddelt und betrieben sehr aggressive und vertrauensvolle Werbung, indem sie diese bunten Fetzen ganz einfach auf das Sonnendeck und in offene Fenster warfen, hinter denen sie jemand sahen, der eventuell etwas kaufen könnte. Eigentlich eine lustige Einlage für die Touristen, wäre dieses Verkaufsgebahren der Kinder nicht bitterer Ernst. Da ist Deutschland so weit weg und die Aufregung über Hartz IV so Lächerlich, wenn man diese Armut sieht. Den Frauen ist die Arbeit verboten, also gibt es auf den schwimmenden Hotels nur junge Männer. Feingliedrige braunhäutige Ägypter, die alle irgendwie so aussehen, als würden sie einem Genpool entstammen, der von Will Smith bis Xavier Naidou alle Typen beinhalten würde. Auf dem Schiff arbeiten lauter dienstbare Geister, in deren Gesellschaft man sich also wohl fühlen kann, bei dem sonnigen Wetter. Wenn man dann noch von allen Seiten bedient wird, kommt dann auch schnell mal das Gefühl hoch, sich wie ein Kolonialherr zu fühlen. Torsten und ich hatten genau dieses Gefühl, als wir uns auf dem Sonnendeck zur angepriesenen „Teatime“ einfanden und uns ca. 30 dienstbare Geister aber auch jeden Handgriff abnahmen und wie fleißige Ameisen um uns herumwerkelten. Gerade Torsten, der mir eigentlich noch nie durch Kolonialherrenart aufgefallen ist, genoss es sehr sichtlich, von allen Seiten bedient zu werden. Diese Art Urlaub war ihm absolut neu und von daher hatte er auch allen Grund, das zu genießen. Auch den Service, das er unsere benutzte und durchschwitzte Wäsche einfach nur abgeben brauchte und nach zwei Stunden völlig clean und sauber gebügelt wiederbekam, war für ihn ein Novum und gerade ist er wieder los und gibt einen Sack Durchschwitztes ab. Bei Temperaturen von 30 bis 40 Grad ist das auch absolut notwendig. Ich für meinen teil kannte das ja schon von Marokko 1992 und Mexiko 1996 und sah das eher gelassen. Einzig die Schnelligkeit verblüffte mich dann doch etwas. Aber das lag wohl eher daran, das dieses Hotel ja ein Schiff war und damit ein in sich geschlossenes System, das auch nur so funktioniert. Danach gingen wir zum Abendbrot, ich schrieb noch ein paar unwichtige Zeilen auf dem extra dafür mitgeschleppten, klobigen Notebook von 1999 und dann sanken wir todmüde, aber glücklich in unsere frischbezogenen Betten. Ich für meinen Teil habe seit 1999 nichtmehr so gut geschlafen.