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Neue Frömmigkeit

Fast genau 2005 Jahre, nach dem ein Außerirdischer oder Zeitreisender, je nach Standpunkt, mit dem Namen Jesus von bösen Menschen an ein Stück Holz genagelt wurde, weil er den Menschen gesagt hat, dass sie gut zueinander sein sollen und knappe 800 Jahre, nachdem die katholische Kirche unter Papst Innozenz III ihr segensreiches Wirken und die unwahrscheinlichen Vorteile ihres Glaubens den unwilligen Menschen mittels doch recht schmerzhafter Inquisition mit Feuer und anderer Brachialgewalt sehr nahe an den Körper und gerne auch direkt ans Herz gelegt haben, bricht bei der, eigentlich aufgeklärten Jugend in Deutschland wieder eine neue Frömmigkeit aus und die Sehnsucht nach einem omnipotenten, mysteriösen, aber alles regelndem Gott wird wieder lauter.
Alternativ täte es auch schon irgendein Mann, der diesem seltsamen Gott nahe zu stehen glaubt, so wie der gerade etwas verstorbene Papst Johannes Paul 2 es von sich eifrig behauptet hat.
Nun ist dieser sehr irdische Vertreter von Gottes Bodenpersonal nach seinem recht langen Sterben diesem Gott wohl näher, als er es jemals von sich gedacht hat und schon ist nicht nur seine, sondern es scheint auch die Bodenhaftung etlicher Jugendlicher verloren und sie werden wieder fromm.
Wenn nämlich bestimmte Gruppen junger Menschen im Internet heute über die Vereinigten Staaten von Amerika reden, geht das nicht mehr ohne frühchristliche Mystik ab und sie fordern beim zuständigen Gott immer und immer wieder den Segen für die USA ein und ihr nerviges "God bless America" klebt ziemlich sinnfrei als hohle Phrase unter jedem dritten Satz. In ihren Profilen pappt mindestens ein Konterfei des letzten Papstes und in der Signatur stehen gerne auch sinnfreie lateinische Sätze aus der christlichen Mythologie.
Dabei hat es dieser Gott schon recht gut mit diesem Land gemeint und es ist ohnehin schon das reichste und das stärkste Land der Welt und die einzige ernstzunehmende Supermacht dieser Erde noch dazu. Der Gott war mit seinem Segen also nicht geizig, obwohl Geiz ja geil sein soll. Er hat sich 2000 auch nur einen einzigen Makel erlaubt.
Der allerdings heißt George Wanker Bush, oder so ähnlich und ist nun dort Präsident und löst jedes Problem mit einem kleineren bis mittlerem Krieg.
So hat ihm sein Vater das gezeigt und Bush glaubt seiner Familie. Bush ist als Christ auch sicherheitshalber gleich mehrmals geboren und konnte so gerüstet ein paar Verse des Alten Testaments umsetzen und nahm Rache Auge um Auge.
Auf die Art waren dann er und sein Volk sehbehindert, er nahm bei dem falschen Volk Rache und seine, vom vielen Auge um Auge ebenfalls sehbehinderten Amerikaner wählten ihn unter dem Jubel der frommen deutschen Jugend dann 2004 tatsächlich noch einmal. Bush muss allerdings auch eine galoppierende Demenz befallen haben, denn er wollte doch tatsächlich im eben dahingeschiedenen Papst, der sich ziemlich massiv gegen die Kriege von Bush geäußert hat, einen Freiheitskämpfer und damit quasi einen Waffenbruder erkannt hat.
Dagegen hätte sich der Papst zwar energisch verwahrt, aber er war schon etwas zu tot, um sich gegen diese Vereinnahmung durch Bush noch groß durchsetzen zu können. Auch die neue, fromme deutsche Jugend warf Bush und den Papst in einen Topf und bejubelt nun beide gleichzeitig.
Bei allen Unterschieden hatten die zwei ja auch Gemeinsamkeiten, denn für beide war Sex vor der Ehe eine ziemliche Sünde und mit Geburtenkontrolle hatten und haben es die Beiden selbst bei sechs Milliarden Menschen auch nicht so.
Kondome sind selbst in den Zeiten von AIDS pures Teufelszeug und Homosexualität könne ja unmöglich Gottes Segen haben. Erstaunlich nur, dass das Alte Testament von sich liebenden Männern nur so wimmelt. Gerade in den Kapiteln, wo es um König David und dessen Söhne geht, ist Homosex an der biblischen Tagesordnung gewesen.
Wie auch immer, mir persönlich ist eine Jugend völlig suspekt, die nicht nach vorne denkt, sondern so konsequent rückwärts orientiert ist, wie diese fromme Jugend von heute, wobei da Ausnahmen die Regel bestätigen. Die Jugend der Sechziger hat gegen den Staat rebelliert und ganz nebenbei eine Musik erfunden, die noch immer die musikalische Wurzel dessen ist, was heute als modern gilt.
Die Jugend der Siebzieger nahm als erste die Umwelt und deren Vergänglichkeit war und kämpfte gegen deren Zerstörung. Die Jugend der Achtziger war wohl die letzte Spaßgeneration, die noch etwas Fun im Leben gefunden hatte.
Von da an ging es nur noch konsequent rückwärts und heute werden so reaktionäre Institutionen, wie Kirche, Papst und der kriegsgeile Bush bejubelt. Damit dürfte ein gesellschaftlicher Fortschritt jedenfalls nicht zu erwarten sein. Denn wenn die Jugend als Katalysator für den Fortschritt ausfällt, woher soll er dann kommen? Von den alten Leuten aus meiner Generation, oder von Leuten wie Bush jedenfalls nicht. Meine Generation ist verbraucht und die sinnlosen Kriege von Bush bringen nichts außer Zerstörung. Diese Zukunft wird auch schlimmer, als befürchtet sein.