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Notaufnahme

Die deutsche Notaufnahme an sich hat ja für gewöhnlich recht wenig mit dem zu tun, was man aus dem Fernsehen als „Emergency Room“ kennt, wo sich sogar ein
George Clooney darum reißt, Dich als Patienten behandeln zu dürfen. Die deutsche Notaufnahme an sich ist eher so konzipiert, dass sich keine Sau um Dich und Deine ganz speziellen Gebrechen kümmert, solltest Du so wahnsinnig sein und zur Behandlung eines körperlichen Leidens den Gang in die Notaufnahme in Erwägung ziehen wollen. ich hatte da wenig Auswahl, denn mich plagt eine verschleppte Mittelohrentzündung, seit ich acht Jahre alt bin und alle drei Jahre wird das dann mal wieder akut und sucht sich dafür dann ganz gerne Tage aus, an denen normale HNO-Ärzte natürlich unerreichbar sind. So entschloss sich meine Mittelohrentzündung sich vorgestern, an einem Samstag, mal wieder so richtig akut zu werden. Wer Ohrenschmerzen kennt, der weiß, wie so etwas vor sich geht. Erst sitzt ein einzelner Heimwerker direkt am Trommelfell und testet seine Schlagbohrmaschine aus und wenn man zulange wartet und nichts unternimmt, hat man bald ganze Kolonnen mit Heimwerkern mit Schlagbohrmaschinen an der Stelle, die fleißig das Mittelohr fräsen.
Das ist dann der Punkt, wo der normale Mensch zum Freeclimber wird und die nächst besten Wände besteigen will.
Ich für meinen Teil wollte auf keine Wand, sondern ließ mich gestern, Sonntag, auf das bizarre Abenteuer Notaufnahme ein. In die nähere Auswahl kam da das Krankenhaus Friedrichshain, nicht nur, weil es praktisch gegenüber meiner Wohnung liegt, sondern vor allem, weil es über einen HNO-Notarzt verfügt, den ich für meinen Schmerz angemessen hielt, denn der wütete ja heftig in meinem Ohr und nicht irgendwo im Darm. Das Krankenhaus war rundum renoviert und erneuert, das Personal dagegen war es nicht und es galt immer noch der gleiche raue und bei der Anmeldung schlug mir ein herzhaftes: „Jense ins Wartezimmer, aber et Kann dauern!“ entgegen. Nichts hatte sich verändert und ich war mal wieder froh, keine tödliche Krankheit zu haben, denn da wäre ich sicher schon am Eingang verreckt. Da das Wartezimmer trotz Renovierung sehr eng und sehr keimig, konnte mich nicht sehr verlocken, also nutzte ich meinen Bonus als Krüppel aus und machte es mir auf einer Trage vor den Behandlungsräumen halbwegs bequem, in der trügerischen Annahme , da als Patient vielleicht doch eher wahrgenommen zu werden. Auch das war, wie früher, eine trügerische Annahme, denn Schwestern wie Ärzte hatten eine, für mich unsichtbaren, aber offenbar hochinteressanten Punkt im Raum fixiert und schafften es auf diese Art, mich trotz meiner unübersehbaren Körpermasse mich stundenlang zu übersehen. Aus meinem Heimwerker im Ohr war in der Zeit eine ganze Tiefbaubrigade geworden, die da wohl eine U-Bahn verlegen wollten und ich war kurz davor, mich zur Notschlachtung freizugeben. In dem Augenblick erschien nach nur drei schmerzhaften Stunden in der Warteschleife die erlösende Kraft in Gestalt eines kompetent wirkenden HNO-Arztes, der sich sofort wortreich entschuldigte, denn er sei der einzige AvD, also der Arzt vom Dienst in einem Krankenhaus mit 200 Betten und somit ein überlastetes Opfer aller Sparmaßnahmen. Ich entschuldigte ihn bei mir und gab ihm sofort die Diagnose meiner Krankheit, schon um Zeit zu sparen. Mittelohrentzündung mit vereitertem Gehörgang, aber er wollte es dann doch lieber selbst feststellen und sah sich das dann auch an. „Mittelohrentzündung mit vereitertem Gehörgang“ so seine endgültige Diagnose, strahlte er mich an. Ich dankte für die treffende Beschreibung meines Unwohlseins und unterwarf mich dann seiner fachärztlichen Behandlung. Viel gebracht hat die zwar nicht, aber er gab mir passende Drogen mit, die in der Apotheke ohne Rezept gar nicht zu bekommen waren und die dann mit Rezept sogar satte 140 Euro kosten sollten. Das allerdings erfuhr ich erst heute, am Montag, weil mein Ohr noch immer keine Ruhe gab, aber Dank der Behandlung die Aktivitäten der U-Bahnbauer im Ohr wieder auf das Niveau von Heimwerkern heruntergeschraubt worden war. Nun habe ich heute einen Termin bei einer normalen HNO-Ärztin und kann eigentlich nur hoffen. Meine Erfahrungen zumindest haben sich bestätigt. Es ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch ziemlich nervend und teuer, in diesem Staat krank zu sein. Wenn einem erstmal die Freude an der Krankheit genommen wird...
Mit einer Kanzlerin Merkel wird das auch sicher nicht besser.

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