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Ostalgie

So langsam, aber dafür ziemlich sicher, geht mir dieses Ostalgie Getue gehörig auf den Sack!
Alles wäre besser, kuscheliger und sehr viel wärmer.
Das sagen heute Menschen in die Kameras, die damals noch keinen, kaum oder gerade erst einen Puls hatten.
17jährige Kinder zerren sich heute FDJ Hemden über die satten und nun west und gesamtdeutschen satten Bäuche und empfinden diese Lumpen als tres chické und unheimlich cool. Was alles in der DDR mit diesem Lumpen verbunden war, wissen sie nicht.
In Kino und Fernsehen laufen Filme, die sich gar nicht einbekommen vor Lobhudelei der schönen DDR. Hier und da taucht mal die Stasi auf, aber von der totalitären Allgegenwärtigkeit der einzigen Partei mit Regierungsbefugnis, der SED, wird kaum ein Ton verloren. Auch nicht darüber, das die Menschen damals sehr viel bescheidener in ihren Ansprüchen waren, als die von heute.
Im Gegenteil, genau diese Leute mit dem Machtinstinkt mutiert heute zu Helden und zu Parteipartisanen, die ja schon immer dagegen waren. Die Gewinner der deutschen Einheit waren dann auch genau die Mitläufer der SED, also Leute, die mit dem Westen nie etwas zu tun haben wollten und auch ganz brav das Westfernsehen offiziell abschalteten. Nach der Wende landeten die auch ziemlich passend bei der CDU. Arbeit gab es sicherlich für Alle, aber auch nur aus ideologischen Gründen. Die meisten Jobs waren unterbezahlte Arbeitsstellen, die sich heute leicht mit den Eineurojobs vergleichen lassen könnten.
Die Mieten waren nur deshalb so niedrig, weil nur der Staat die Wohnungen baute und kein Interesse daran hatte, damit Geld zu verdienen.
Deshalb gab es auch nie genügend davon.
Die Wenigsten, die sich heute lauthals nach der DDR zurücksehnen, kennen irgendeinen Mangel. Sie wurden in einem Land groß, wo man für Geld alles kaufen konnte und kennen nicht die leere Tristesse von HO oder Konsumkauhallen der DDR. Und um Geld zu bekommen, Bedarf es heute nur irgendeiner staatlichen Einrichtung wie z.B. dem Sozialamt. Junge Frauen bekommen heute Kinder und dann automatisch irgendein Kindergeld, von dem dann ganze Familien Lebens können oder müssen.
So etwas gab es in der DDR in diesem Ausmaß nicht. Da musste jede junge Frau sich erst einmal um eine Arbeit bemühen, ob sie Kinder hatte oder nicht! Was die Musik in der DDR angeht, so war sie sicher ganz nett, aber sie hatte nie Weltstandard, denn es gab ja nicht einmal anständige Instrumente. Sie mussten zu horrenden Preisen aus dem Westen beschafft werden. Solche Ausnahmen, wie „Am Fenster“ von City haben eigentlich nur einen Erinnerungswert, denn die Meisten, die heute danach tanzen, waren 1976 noch nicht einmal geboren. Auch die Information war in der DDR eine reine Glückssache. Auch Telefonanschlüsse hatten ohne Beziehungen eine mehrjährige Anmelde und Wartezeit. Wenn man dann endlich eines hatte, konnte man noch lange nicht überallhin telefonieren. Allein ein sauteures Gespräch von Ost nach Westberlin wurde zu einem stundenlangen Fingertraining, denn die Wahlwiederholungstaste gab es ganz einfach noch nicht.
Das Internet war eine blanke Science Fiction und eigentlich auch völlig unnötig, denn man konnte ja wegen der Mauer um dieses Land ohnehin nie einen besuchen, den man dort vielleicht kennen gelernt hätte.
Die Menschen, die man kannte und brauchte, waren alle zu Fuß und mit dem Telefon, welches man durch Beziehungen hatte, erreichbar.
Die Einzigen, die heute einen Grund zur Ostalgie hätten, sind die Menschen im Osten über 40, die ihre Arbeit verloren haben. Wenn man aber diese stetig wachsende Anzahl von Menschen als Grundlage für Programmplanung im Fernsehen nehmen will, dann wird das Fernsehprogramm ja nur noch grauenhafter. Man kann schon ganz froh sein, wenn man heute eine Rente bekommt und damit von den Macken der Börse und der Wirtschaft relativ unabhängig ist!