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Platz in Massen

Also in einer Hinsicht bin ich definitiv zu früh geboren und das ist die Heimelektronik. Damit sind nicht unbedingt die Computer gemeint, aber auch diese wären für das Schreiben von Songtexten sehr viel praktischer gewesen, als unsere alten Schreibmaschinen von 1981. nur es gab sie einfach noch nicht und so hat sie auch keiner vermisst.
Da ich jetzt ja jede Menge Zeit totschlagen muss, geht es um solche Aufzeichnungsgeräte, wie z.B. die Videorecorder. Mit der Heimelektronik hielt es die DDR ähnlich wie Indien, denn es gab irgendwie alles, aber alles saumäßig teuer und nur Bückware, die es nur unter dem Ladentisch und nur mit Beziehungen gab, was bedeutete, jemanden zu kennen, der von einem wusste, der einen kannte, dessen Schwester ein Buch gelesen hatte, in dem stand, dass es so etwas gab.
Gerade bei halbwegs anständiger Heimelektronik war die DDR ein unbeschriebenes Blatt, d.h. eigentlich war sie es nicht, denn sie stellte alles her, aber das wurde unter lustigen Namen dann nur bei Quelle und Otto und nur im Westen verkauft. Für eine Jugend, die heute nur in den Media-Markt gehen muss, ist es ziemlich unvorstellbar, dass es solcherlei Technik noch 1989 in einem ganzen Land nicht zu haben war.
Es war auch wohl dieser völlige Mangel an Selbstverständlichkeiten, der den ersten Versuch eines Sozialismus auf deutschem Boden dann in den Orkus der Geschichte schickte. Selbst normale Instrumente waren Mitte der Siebzieger Mangelware und für eine normale Akustikgitarre musste ich dann schon mal übers Wochenende nach Prag fliegen, denn die Tschechen waren schon damals flexibler. Bei der Gelegenheit habe ich mich nicht nur mit neuen Platten aus dem Westen eingedeckt, die es in der DDR ja auch nicht gab, sondern war auf mehrere Sturzbiere in der Prager Kultkneipe Uflecku, die damals das Mekka aller deutschen Bierfreunde war, ob nun aus dem Westen oder Osten und die sich für mein jugendliches Alter nicht interessierte.
So lernte man auch gleich noch neue Leute kennen. Was es allerdings an guter Heimelektronik gab, das lieferte die Tschechen auch in die DDR und war aber auch sehr schwer zu bekommen. Nur elektrische Gitarren waren trotzdem Mangelware. Nur hatte ich damals die Motivation, zwei Hände und einen gleichaltrigen Kumpel, der nicht nur von Holz etwas verstand, sondern auch ganz passend eine Tischlerwerkbank im Keller hatte. Er zauberte mir also einen Korpus, ich sorgte für Hals und Tonabnehmer und fummelte alles irgendwie so zusammen, dass ich mit 16 meine erste elektrische Gitarre hatte, die sogar bundrein war. 10 Jahre später, ich hatte die Gitarre dem Gitarristen meiner Band überlassen, starb sie dann bei einem Konzert den ehrenvollen Bühnentod, wie ihn auch Jimi Hendrix oder die Who nicht besser hinbekommen hätten.
Soviel zu den Instrumenten und nun zur Heimelektronik.
Die Tonbandkassette hatte ein sächsischer Bastler schon in den fünfziger Jahren zwar erfunden, aber die sozialistischen „Wirtschaftsexperten“ erkannten messerscharf darin keinen Bedarf und so wurde das Patent an den Westen verkauft.
Als die Firma Sony damit und ihrem Walkman ein paar Jahrzehnte später Milliarden machte, bekamen diese Experten auch sofort eine längere Kur in einem russischen Gulag verordnet. Es gab also weiter nur Tonbandgeräte in der DDR. Nur, dass die einheimischen nicht allzu viel taugten und auch gerne nur mono waren.
Ich hatte Glück und ein Gerät der Marke Tesla von den Tschechen, das sogar mit stereo aufwarten konnte. Da ich unerlaubterweise schon in den Ferien arbeiten ging, seit ich 13 war, konnte ich mir dazu dann auch eine recht einfache Stereoanlage und einen kleinen Fernseher leisten. Über sehr dunkle Kanäle bekam ich auch nagelneue Platten aus dem Westen.
Was es in den Siebzigern nicht gab, war die Möglichkeit, Fernsehen zuhause irgendwie aufzunehmen. Es gab zwar im Westen Videorecorder seit 1964, aber die waren mit schlappen 7000 DM ganz einfach zu teuer. Videorecorder wurden erst in den Achtzigern zu einer bezahlbaren Massenware, allerdings nicht für die Elektronikfreaks in der DDR.
Meinen ersten brauchbaren Videorecorder bekam ich 1985 über sehr dunkle Kanäle und für einen großen Batzen Geld von einem recht gierigen Klavierstimmer. Es war der Erste in ein ganzen Reihe unvollkommner Geräte, die ich mir vor 1990 noch ins Land geschmuggelt hatte und nach 1990 einfach kaufen konnte.
Nur einen Mangel gab es noch immer. Die Geräte brauchten ein Medium und dessen Platz war sehr begrenzt und Kassetten neigten gerne mal zum Bandsalat am Wochenende, wenn nun wirklich kein Ersatz zu bekommen war. Nach einem kurzen Ausflug in die teure Welt der wiederbespielbaren DVD habe ich nun einen Festplattenrecorder, mit dem ich am Stück 18 Stunden Fernsehen aufnehmen könnte, würde es soviel gutes Fernsehen überhaupt geben. Ich kann nur jedem raten, der so etwas anschaffen will, gleich zu einem Festplattenrecorder zu greifen. Er vermeidet sehr viel nervigen Bandsalat und hat Platz in Massen!