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Quizshow

Man soll es nicht glauben, aber ich war tatsächlich bei einem Casting. Nur ging mir es nicht darum, Deutschland mit noch mehr akustischem Müll zu überschwemmen, sondern ich wollte bei einer der zahllosen Quizshows den überflüssigen Mist zu Geld machen, das mir als „mein Wissen“ das Hirn und die Nerven blockiert.
Was hab ich davon, fast alles über die französische Revolution, den zweiten Weltkrieg und die Feinheiten des Neue Testament zu wissen, wenn meinem Hirn die simple Information abhanden gekommen ist, wie es die linke Hand zu bewegen hat und ich dann damit kein Geld verdienen kann, weil ich den Job verloren habe? Das war mir schon 2000 klar und ich hatte mich da bei der Quizshow von Sat1 beworben, als die noch Jörg Pilawa gemacht hatte. Das Konzept von Sat1 sah und sieht nur einen Kandidaten vor, der da die Fragen beantwortet. Die Vorauswahl dazu, das Casting, hatte ich damals, beim ersten Versuch also ganz alleine vergeigt, weil ich Dir Fragebögen nicht halten konnte.
Das Konzept der ARD, wo ich mich nun online beworben hatte, sieht zwei Kandidaten vor, also musste ich noch einen mit reinreißen, der sich mit mir dort den Fragen stellt. Ich hatte einsam beschlossen, dass mein bester Freund, der Musiker Torsten mich dahin begleitet. Nun ist Torsten ein Fuchs, hatte Glück und einen Auftritt bei der Rockoper Schwanensee in Greifswald. Denn die Götter des Quiz haben vor dem Besuch beim Fernsehen noch ein Casting gestellt, in dem es in kürzester Zeit die fiesesten Fragen zu beantworten gilt und das ist die eigentliche Falle bei den Quizshows. Als zweite Person bot sich in einem Anfall von gutmütigem Wahnsinn dann meine 66jährige Mutter an und so gingen wir heute tapfer dahin, um in der Sendung dann Eimerweise Euro zu horten. Nur das Casting war eben noch im Weg.
Die Fragen dort hatten mit den ach so leichten Fragen der Sendung nicht allzu viel gemein, denn sie waren fies und absolut bösartig. Die 18 potentiellen Kandidaten mussten sich vorstellen und außer Mutter und mir hatten alle studiert oder waren noch dabei. Sogar eine ausgewachsene Richterin gab es, aber die hatte so gar nichts mit Frau Salesch gemein, denn die war jung und sah recht gut aus.
Von den 18 wussten nur 6 in 10 Sekunden, wo Karl der Große dereinst so rumrandaliert hat, wer „Schloss Gripsholm“ nun schrieb und in welchem Land eine Harfe die Rückseite des Euro ziert. Offenbar hatten alle zu wenig davon und das liegt ja in der Natur dieses Kunstgeldes, das es nur wenige genügend haben. Die sechs „Schlauen“ durften also bleiben und wurden weiterverwertet. Wir, die 12 „Dummen“, waren entlassen und durften erleichtert unserer Wege gehen. Mutter fielen ganze Steinbrüche vom Herzen, das so viele Studierte solchen Müll auch nicht gewusst haben und sie nun nicht noch ins Fernsehen musste. Wir hatten uns nicht blamiert, sondern wir haben es nur mal versucht und sind ganz großartig gescheitert.
In dankbarer „Rache“ lud sie mich dann zur Pasta in Olis kleinem Lokal ein, wo ich dann auch ganz vortrefflich speiste. Ich drücke ihr hiermit meinen Dank aus und einen Kuss auf die Stirn, denn auch mit Torsten wäre ich nicht sehr viel weiter gekommen, weil auch er nichts über Harfen auf fremden Euro, das Treiben vom großen Karl und „Schloss Gripsholm“ weiß. Das Hotel, in dem die ARD das Casting durch eine Firma machen liess, war ein ganzes Stück seriöser, als 2000 die Absteige von Sat1. Zusammengenommen also ein recht kurzweiliger Tag.