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Rückfall zum Kintopp

Oscars 2012 logo

Es ist bis zur nächsten Oscarverleihung 2013 zwar sehr viel kürzer als bis zur letzten 2012, aber ich muss zu 2012 noch einiges loswerden.

In diesem Fall geht es um das Kintopp im wirklich alten, im negativsten Sinn. Denn die Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jedes Jahr die Oscars für die besten Filme vergibt, ist ja schon öfter durch einige Kapriolen aufgefallen. So bekam 2010 der dröge Durchhaltefilm zum Krieg im Irak „The Hurt locker“ von 2008, der im Kino nicht allzu prächtig lief, 2010 ernsthaft zum besten Film erklärt, damit ein völlig ungerechter Krieg zur Normalität wird, nur weil Jeremy Renner als Bombenentschärfer im Irak coole Sprüche klopft, wenn es um Leben und Tod geht.
2011 hatte man sich wieder gefangen und die großartige Leistung von Colin Firth und Geoffrey Rush in „The King’s Speech“ von Tom Hooper als besten Film gewürdigt.
Nun 2012, als genau vor 10 Jahren nach Peter Jacksons Trilogie der „Herr der Ringe“, einem epischen und opulenten Werk mit machtvollen Bildern und Effekten, die mit insgesamt 17 Oscars belohnt wurden, schaltete die Academy um satte 90 Jahre zurück und machte allen Ernstes mit „The Artist“ einen schwarzweißen Stummfilm zum besten Film von 2011.

Ich bin alt genug und habe den größten Teil meiner Kindheit mit Filmen in schwarzweiß im Fernsehen erlebt, die aber immerhin schon Ton hatten.
Der Inhalt des Films ist entsprechend dürftig. Ein Mann hat Probleme damit, in ein Mikrofon zu sprechen, aber das hätte man auch als Dokumentation im Deutschland von heute drehen können.
In der Hauptrolle mit keinem unbekannten Franzosen, sondern mit einem relativ bekannten Deutschen, mit Lothar Matthäus, der mit Sprache und Mikrophonen auch nicht recht klarkommt. Nur hätte der Film dann „The Autist“ heißen müssen. Nachdem die Filmindustrie jahrelang jede technische Entwicklung auf ihrem Gebiet voran getrieben hat, Kinos und Heimkinos immer größere Leinwände und Bildschirme bekamen, die Soundsysteme in den Kinos und zuhause immer ausgefeilter und kostspieliger wurden, ist ein schwarzweißer Stummfilm wie „The Artist“ dann doch eher ein Schlag ins Gesicht aller Filmfreunde. Zumindest ist es einer in meines.
Die Geschichte eines Stummfilmstars der mit dem Tonfilm nicht klar kommt ist auch nicht allzu neu und wurde unter anderem auch von Charlie Chaplin, Buster Keaton und anderen sehr viel besser umgesetzt. Es ist ja nicht so, als hätte es 2011 keine guten Filme in Farbe und sogar mit Ton gegeben. Neben „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2“ oder der Bild und effektgewaltige Prequel „Planet der Affen: Prevolution“, das nicht nur großartige Effekte bietet, sondern auch eine recht spannende Handlung und sogar Ton.
„The Artist“ wäre für das Festival des experimentellen Films sicher recht spannend gewesen, aber für den besten Film bei einer Oscarverleihung kommt er einfach 80 Jahre zu spät. Wer Filme in schwarzweiß sehen möchte, der kann sich aus dem großen Fundus von Charlie Chaplin oder Buster Keaton reichlich und unterhaltender bedienen und der Stummfilm muss nicht 2012 neu erfunden werden.
So war die Oscarverleihung 2012 wieder recht enttäuschend und hat keine Meilensteine gesetzt, sondern mich zumindest nur negativ überrascht.

Von 2012 werden bei mir nur „George Clooney – The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“, „Gary Oldman – Dame, König, As, Spion“, „Meryl Streep – Die Eiserne Lady“, „Martin Scorsese – Hugo Cabret“, die krude, aber unterhaltsame Mixtur der „ Cowboys & Aliens“ und einige andere Filme gut in Erinnerung bleiben, die mich mit Farbe und Ton auf dem Heimkino unterhalten werden. Einen Schwarzweißfilm zum besten Film des Jahres zu machen ist in etwa so, als würde man auf einer Flugzeugausstellung einen Zeppelin, also ein Luftschiff mit Preisen überhäufen. Wenn den Mitgliedern der Academy die Filme zu bunt sind, sollen sie einfach die Finger von LSD und Koks lassen.

Wenn ich ins Kino gehe, will ich meine Augen in einem Meer von Farben baden lassen und meine Ohren in einem Ozean der Töne tränken. Ich liebe Kino, ich mag Filme, aber ich habe so gar keinen Draht zu schwarzweißem Kintopp ohne Ton. Wenn ich scharf darauf bin, die Dialoge nur zu lesen, benötige ich keinen Film, sondern greife zu einem guten Buch. Zumal der Inhalt von „The Artist“ ziemlich überschaubar ist. Ich habe ihn im Internet nachgelesen und er war nicht sehr spannend. Nur als Hommage an die Vergangenheit ist auch kein sehr überzeugender Grund für einen Oscar, denn es geht ja auch keiner zu einem Schamanen im Wald, wenn er offene Wunden hat, nur um die Vergangenheit romantisch zu verklären. Im Normalfall bemüht man einen Arzt, um dem Wundbrand zu entgehen. Was den Film angeht, so lockt der mich auch mit Oscar nicht ins Kino und mein Heimkino habe ich auch nicht aufgerüstet, um mich dann mit schwarzweißen Stummfilmen zu quälen. Als Krönung dieser Verleihung ging der Oscar für den besten Schauspieler an Jean Dujardin, den Hauptdarsteller aus diesem Stummfilm, obwohl der ja kein Wort gesprochen hat.
Nur geht Schauspielerei, wie ich sie kenne und schätze, ohne das gesprochene Wort einfach nicht, denn das wäre dann ja der Preis für den besten Pantomimen und die nerven ja schon in jeder Fußgängerzone und für die ist auch das Medium Kino nicht gedacht. Selbst der Beizahlsender Sky hat dieses Machwerk erst nach einem Jahr gekauft, obwohl er sich auch sonst vor keinem Schrott ekelt, nur um sein Programm voll zu bekommen.

Wie 2010 soll der Oscar von 2012 nicht etwa den besten Film auszeichnen, sondern nur einem Film auf die Beine helfen, der im Kino eher traurig lief. Bei der Art dieses Films eigentlich auch kein Wunder. Seit dem Autorenstreik von 2007 in den USA geht es in der Masse der Filme mit der Qualität ja kontinuierlich eher bergab. Alle wirklich guten Filme hinterließen Filmzitate, die Jahrzehnte überdauert haben, aber damit wird es bei einem Stummfilm etwas eng. Man kann mir gerne vorwerfen, ich sei da subjektiv, weil es stimmt, aber ganz objektiv ist kein modernes Kino und mein Flatsreeen oder gar mein Soundsystem für schwarzweiße Stummfilme gemacht, den dafür braucht es weder HdTV und schon gar kein Dolby. Es wäre sicher auch ein romantischer Gedanke, aber es gibt auch keinen Formel 1 Piloten, der auf die Idee, Holzräder an seinen Rennwagen zu schrauben.

Das Spektrum der Filme, die Hollywood 2011 produzierte war ziemlich unterirdisch und mit Gartenzwergen, Schlümpfe, Gulliver und Schneewittchen ziemlich infantil, aber das ist noch lange kein Grund, einen schwarzweißen Stummfilm zum besten Film des Jahres zu erklären. Wenn die Richtung beibehalten wird, bekommt 2013 der Kinematograph der Gebrüder Lumière einen Oscar für die besten Effekte und 2014 wird ein gezeichnetes Daumenkino der beste Film werden und Til Schweiger bekommt einen Oscar als mimischer Grabstein mit den meisten Filmen. Alles eine Hommage an Zeiten, die als besser galten. Nur eben nichts für mich. Ich möchte im Kino auch weiter meine Augen in einem Meer der Farben baden lassen und meine Ohren in einem Ozean der Töne und Klänge.
Wenn der Film „The Artist“ mit der mageren Handlung, dem schwarzweißen Bild und dem fehlenden Ton dann auch noch einen Terrier benötigt, um das Ganze etwas zu beleben, spricht das Bände. Wenn Minimalismus heute preiswürdig ist, bekommen sicher bald die Höhlen der Neandertaler erste Preise vom Fachmagazin „Schöner wohnen“.
Um dem Trend gerecht zu werden, wird die Oscarverleihung 2013 dann auch nicht mittels Fernsehen, sondern mit indianischen Rauchzeichen und afrikanischen Trommeln übertragen. Der Gedanke an sich ist schon idiotisch, aber am Ende wäre es nur konsequent. Wenigstens hat sich der Trend der Academy nicht durchgesetzt und die Masse der Stummfilme in schwarzweiß, HD und Dolby 5.1 blieb ziemlich überschaubar.
Genau genommen dürfte es bei der Oscarverleihung 2013 keinen besten Film geben, denn alle Filme, die 2012 ins Kino kamen hatten Farbe und Ton.



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