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Rauswurf

7. und letzter Tag, der böse anfängt, gut weitergeht und zuhause endet

Der wirklich letzte Tag auf diesem Kreuzfahrtschiff begann mit einer Mutation, denn das ach so stolze Kreuzfahrtschiff mutierte zu einem Kutter, der vor der Küste von Afrika kreist, im Wasser treibende Flüchtlinge aufnimmt und dafür alte und verbrauchte Flüchtlinge, also in unserem Fall Gäste, die ihre Kreuzfahrt schon bezahlt haben und bei denen nun nichts mehr zu holen ist, von Bord werfen, damit Platz für neue und zahlende Gäste ist.
Wie auf der gekenterten Poseidon konnten Bine und ich, mit Feuerlöschern bewaffnet zur Brücke durchkämpfen und den zypriotischen Kapitän mit vorgehaltenen 10 Euro dazu bringen, uns nicht gleich ins Wasser zu werfen, sondern wenigstens in Genua an Land zu lassen, denn ich hatte da einen Freund und somit auch einen Plan.
Dank eines Ausbruchs an übergroßer Güte der Veranstalter mussten wir zwar um 8:00 Uhr die Kabine räumen, wie unser Bunker von anderen liebevoll umschrieben wurde, weil er schon um 15:00 Uhr neu belegt werden sollte, aber auf dem Schiff durften wir noch bis 12:00 Uhr bleiben und ich zum Mittag um 11:00 Uhr noch mal etwas Leckeres bestellen und explodiertes Schwein bekommen.
Dann ging es Richtung Genua, ich rief meinen alten Freund Klaus an, den ich 1987 im Friedrichstadtpalast als jungen Artisten kennen und schätzen gelernt hatte und der nach einer Odyssee mit mehreren Berufen unter anderem auch als Artist mit einem Zirkus durch ganz Europa tingelte und 1997 eine hübsche Italienerin gefunden und sie in Varazze, der Perle von Ligurien geheiratet hatte.
1992 hatte er den Artisten als Beruf an den Nagel gehängt, weil der Druck durch unschlagbar billige Konkurrenz aus dem Osten zu groß wurde und ein neues Leben begonnen. Wir waren immer echte Freunde, also zu jeder Zeit füreinander da und daran hat auch keine Entfernung etwas ändern können. Ich war da, wenn er mich brauchte und auch umgekehrt. So nun heute wieder und noch immer. Ein Anruf genügte und er kam mal eben aus dem 30 Kilometer entfernten Varazze zum Hafen von Genua gebrettert, um uns einzusammeln, damit wir nicht in der Stadt gammeln mussten, bis abends unser Flieger der italienischen Air Dolomiti nach München ging.
So sah ich meinen Freund Klaus nach Jahren mal wieder, als er am Ausgang des Hafens stand und neben ihm eine Miniaturausgabe von ihm, seinen siebenjährigen Sohn Marvin, der ihm aus dem Gesicht geschnitten war. Das letzte Mal ging es mir so auf Gibraltar mit Cousin Lars, als ich bei meiner Familie war.
Auf dem Weg nach Varazze in die Eigentumswohnung von Klaus mit dem paradiesischem Ausblick auf die Adria, die ich noch von 1997 kannte, wo er uns zu unserer Freude mit echtem italienischen Cappuccino bewirtete und der staunenden Bine von seinem bewegten Leben erzählte, saß der kleine Marvin auf seinem Kindersitz im Auto und parlierte ohne Unterbrechung zweisprachig über solche Themen, wie Umweltschutz und zu Ende gehenden Atomstrom. nicht unbedingt die Themen eines Kindes von 7, aber er hatte ganz eindeutig das ungebremste Temperament der Mutter und den grüblerischen Verstand des Vaters geerbt.
Wieder etwas, um das ich Klaus nur beneiden konnte. Erst um sein Talent als Artist und nun um sein Leben mit einer gelungenen Familie in paradiesisch warmer Umgebung. Klaus hatte und hat noch immer Internet, aber er war viel zu klug und liebte das Leben viel zu sehr, um als gesunder Erwachsener freiwillig im Internet abzustürzen, wenn er im Leben mal Probleme hatte.
Dann kam auch seine Frau Barbara von der Arbeit und auch ihr lag ich in den Armen. Dann wurden wir noch kurz politisch und uns sehr schnell einig darüber, dass Italien mit dem neuen Premier Prodi sehr viel besser bedient ist, als Deutschland mit seiner Kanzlerin Merkel.
Klaus würde auch nicht zurück nach Deutschland wollen, denn dazu hat er sich in Italien zuviel aufgebaut, hat dort sehr viel besseres Wetter und eine bessere Politik. Die ihm als Mensch sehr viel bessere Chancen und auch Arbeit bietet, als er sie im Merkeldeutschland mit Hartz IV jemals bekommen würde. Im sonnigen Italien gibt es ein viel wirksameres Mittel gegen Arbeitslosigkeit und das nennt sich „Arbeit“ und Frau Merkel wäre gut beraten, sich mal daran zu orientieren, anstatt nur über den großen Teich zu schauen, was ihr Fummelfreund Bush für Mist baut. Nachdem die Politik zugunsten Italiens geklärt war, fuhr Klaus uns auch schon zum Flughafen von Genua, wo uns auch wieder ein Propellerflugzeug der Marke „umgebautes Uboot“ erwartete, das sogar ziemlich leer war und wir uns Plätze aussuchen konnten. Nur dieser Luxus war spontan vorbei, als wir in München dann in die Lufthansa wechseln wollten, denn da wohl alle Zahlen für das Samstagslotto in Deutschland gebraucht wurden, waren Plätze beieinander nicht frei und Bine und ich, die ja außer als meine zauberhaften Begleiterin auch als meine Betreuerin eingetragen war, über das ganze Flugzeug nach Berlin verteilt und mir wurde das große Glück zuteil, genau vor einem, den ganzen Flug über schreienden Säugling zu sitzen, der nur dann Ruhe gab, wenn er zum Stillen rumgereicht und an eine weibliche Brust eingeklinkt wurde. Offenbar waren sämtliche Schließfächer in München voll gewesen und nun musste das schreiende Balg mit ins Flugzeug.
Das zerrte nicht nur an meinen Nerven, aber nach zwei Stunden war auch dieser Spuk vorbei und ich saß entspannt zuhause in meiner Badewanne und reflektierte diesen Urlaub. Irgendwie war Ägypten schöner gewesen und nicht nur wegen der luxuriöseren Kabine.