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Roter Drache

Wer „Das Schweigen der Lämmer“ gesehen und auch „Hannibal“ nicht versäumt hat, wird über diesen dritten, in der Story aber ersten Teil der Saga um Hannibal Lecter hocherfreut sein. Dieser Film, der diesmal mit Edward Norton und Harvey Keitel auf der einen, der guten Seite und Anthony Hopkins und Ralph Fiennes auf der anderen Seite, Erstklassig besetzt ist, lässt den Spannungsfaden keine Sekunde lang zerreißen. Er macht die Lecter Trilogie erst rund und sehenswert. Gerade Edward Norton ist ein Schauspielerischer Glücksfall, der die Längen von Julianne Moore bei „Hannibal ganz schnell vergessen lässt!
Edward Norton spielt hier den FBI-Ermittler Graham, der erst mit Hannibal Lecter zusammenarbeitet und dann dessen prominentes Opfer wird. Lecter wandert also in den Knast und agiert von dort aus so meisterhaft und brillant wie in Schweigen der Lämmer. Das Hauptproblem des FBI ist aber auch dieses mal nicht Lecter, sondern ein anderer wahnsinniger Serienkiller Francis Dollarhyde, der ganze Familien zerlegt und der sich selbst als Roten Drachen sieht und ansonsten nur Mister D genannt, aber von FBI und Presse wegen seiner merkwürdigen Gebissabdrücke bei seinen Opfern nur die Zahnfee genannt wird. Hervorragend schizophren dargestellt von Ralph Fiennes.
Regisseur Brett Ratner gelingt es mit seiner hochkarätigen Besetzung einen Spannungsbogen aufzubauen, der vom harmlosen Beginn des Filmes bis zu dessen harten Ende, in dem sogar ein Hinweis an Lecter auf die kommende Agentin Starling aus dem zweiten Teil eingebaut wurde.
Im Gegensatz zum Buch von Thomas Harris wurde auch nur eine Figur verändert und bekam einen unterhaltenden Wert. Der schmierige Reporter Freddie Lounds, der über die Zahnfee in einem Käseblatt berichtete wird zu einer Schlüsselfigur, an der Mister D dem Zuschauer seine abgrundtiefe Schlechtigkeit beweisen kann und genau das macht Ralph Fiennes ziemlich eindringlich und großartig. Edward Norton ist nach der lauten und nicht sehr überzeugenden Julianne Moore wieder ein Meister der leisen Töne und ein Garant für eine intelligente und spannende Handlung.
Harvey Keitel macht in Roter Drache als Direktor des FBI, Jack Crawford eine weitaus bessere Figur, als Scott Glenn in Schweigen der Lämmer und Hannibal. Dessen Habitus war doch zu sehr der eines trockenen Beamten. Der Killer Mister D hat auch ein Handicap, denn er verliebt sich in die blinde Reba McClane (Emily Watson) und riskiert damit beinahe entdeckt zu werden, aber es bekommt der Story ziemlich gut. Anthony Hopkins als Hannibal Lecter spielt wieder genial die Rolle eines Wissenden, der vom Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses alle Fäden in der Hand hat.
Im Prinzip erfüllt "Roter Drache" die Erwartungen, die in ein solches Projekt gesteckt werden, vollends: Die Zuschauer wollen Hopkins als Hannibal sehen, sie wollen weitere große Namen, sie wollen keine 80er-Optik und erst recht wollen sie eine teuer aussehende Hochglanzproduktion, die den notwendigen Nervenkitzel transportiert. Dass der Film dabei weder die psychologische Klasse von "Schweigen der Lämmer " noch die opulente, opernhafte Inszenierung der ersten Hälfte von "Hannibal" erreicht, war zu erwarten. Und besser als die zweite Hälfte von Ridley Scotts letztjähriger Variante ist "Roter Drache" allemal. Persönliche Wertung 8/10!