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Schöner wohnen

So oder so ähnlich nennen die Privatsender ihre neusten, durch spärliche Handlung umrahmten Werbeblöcke, die Heimwerkershows.
Nur hat das mit der sympathischen Fernsehserie um den Heimwerkerkönig Tim Taylor, der alles selbst bauen will, nicht viel zu tun. Denn nachdem die Privaten nun die Schiene der realen Talkshows ausgereizt zu haben scheinen und ihre Gerichtsshows schon eher dem Bereich der kriminellen Fantasy zuzuordnen sind, stürzen sich die privaten Programmplaner ohne Programm nun auf das letzte Reale, was ihr Publikum noch zu bieten hat. Sie stürzen sich auf deren Wohnungen. Sie haben da eine Lücke entdeckt, die den alten Bewohnern der DDR besonders ins Auge sprang. Die Deutschen von Heute scheinen unfähig zu sein, ihr teures Heim selbst einzurichten und zu dekorieren. Das liegt nicht etwa daran, dass es einen Mangel an Werkzeugen oder Werkstoffen gäbe, sondern es mangelt schlicht und ergreifend an Phantasie und Kreativität der Wohnenden. Jeder Baumarkt von heute hat ein größeres Angebot, als die gesamte DDR 1985 und trotzdem gibt es tatsächlich noch Menschen, die ihre Wohnung nicht gemalert und/oder tapeziert bekommen.
Um z.B. ein „Jugendzimmer im Stil der Siebzieger mit HipHop Elementen“ auf die Reihe zu bekommen, bedarf es dann auch schon mal der Hilfe von Pro7 und dessen Handwerker. Mal abgesehen davon, das dieser Wunsch völliger Nonsens ist, weil es in den Siebzigern sowas wie Hiphop zum Glück nicht gab, zeigt es nur verzweifelte Eltern, die ihrem pubertierendem Kind ein Zimmer einrichten wollen und sich dabei erstmal nur an ihrer eigenen Jugend in den Siebzigern orientieren. Ich sollte es wissen, denn ich hatte auch mein Zimmer in den Siebzigern. Völlig ohne Hiphop, aber dafür mit jeder Menge Rock. Poster aus der heimlich importierten BRAVO lieferten die Grundlage.
Wenn Eltern ihrem Sprössling nun partout ein Jugendzimmer einrichten wollen, sollten sie ihre Jugend ganz einfach vergessen und einen Blick in die BRAVO von Heute werfen. Da steht das, was die Kids von 2004 interessiert und das hat mit den Siebzigern nicht mehr viel gemein. Gerade bei Kinder und Jugendzimmern empfiehlt es sich, die Betroffenen einfach in Um und Ausbau mit einzubeziehen, denn die müssen ja damit und darin dann auch leben. Meine Eltern haben das immer getan und ich fühlte mich wohl. Das hat sich so bewährt, das ich später meine eigenen Wohnungen auch alleine unter der Hilfe von Freunden nach meinem Gusto eingerichtet habe. Werkzeuge und Werkstoffe bezog ich auf den üblichen Wegen der DDR. Entweder wurde alles was ich brauchte auf Baustellen geklaut, oder der Freund eines Freundes hatte einen Onkel, der wiederum einen kannte, der wusste, wo es alles gab. Nur gebaut habe ich letzten Endes alles allein. Genau diese Selbstständigkeit vermisse ich jetzt und das ist dann auch die Grundlage für das immer dürftiger werdende Programmangebot der Privatsender.
Ach ja und die tollen Tacker von heute hießen damals noch Hammer und Nagel und waren mindestens genauso gut.