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Silvester mit Freunden

Es nahte der Tag des Jahres, vor dem sich Leute in meinem Alter wohl am Meisten ekeln. Der Wechsel von einem öden Jahr in das Nächste, Silvester. Ich hatte die Wahl, vor meinem Fernseher, respektive PC völlig zu versauern und zu verblöden, oder aber mit Torsten und seiner Frau Bine bei Torstens „kleinem Bruder“ Olli zu verbringen. Olli ist ein selbstbewusster Optimist, der es fertig gebracht hat in Berlin, das ja an sich schon Fantastilliarden Szenekneipen gibt, im Stadtbezirk Prenzlauer Berg doch noch seine Eigene aufzumachen und damit sogar zu überleben ohne sich Insolvent melden zu müssen. Ich kannte das Lokal noch von Torstens Geburtstag und es ist ein gemütliches kleines Ecklokal, in dem es sich gut feiern lässt und das eine sehr private Atmosphäre hat. Also wie geschaffen für solch Feierei. Wir waren zu 21:00 Uhr verabredet, weil Torsten vorher noch die Drums beim Musical Cats zu bedienen hatte, also arbeitete. Weil mir in den vergangen drei Jahren jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen ist, war ich natürlich zu früh dort. Es waren schon etliche Gäste da, die sich an mich zu erinnern schienen, da ich das letzte Silvester bei Olli Zuhause wohl mit ihnen gefeiert hatte und an die ich mich dank meines schadhaften Gedächnis aber nicht erinnern konnte, wie auch immer, es gab ein großes und freudiges Hallo, als man meiner gewahr wurde. Ich begrüßte dann erstmal unbekannterweise Jeden und suchte mir einen bequemen Tisch im hinteren Zimmer aus, von dem aus ich die Festivität zu überblicken und überleben gedachte. Ich sah mir dann das weibliche Publikum erstmal genauer an und es war genau so, wie Mittermeier es beobachtet hatte, der gutausehende Teil der Damen war mit Partner da und die wenigen anderen, für die auch ich nicht würfeln würde, kamen allein. Trotzdem alle gleich freundlich und herzlich zu mir, der ich wiedermal der älteste war, aber das kenne ich, seit ich 25 bin. Mit Torsten und seinen 39 kam dann der Zweitälteste und wir begrüßten uns aufs Herzlichste. Dann stellte sich heraus, das meine Wahl bezüglich des Raumes doch keine so glückliche Hand bewies, da mehrere hundert Watt fröhlich aus einer Box über uns Gesprächsansätze zu Brüllorgien verkommen ließen und der Platz in der Mitte des Raumes für Tanz auserkoren war. Der Altersdurchschnitt des Publikum bewegte sich von Anfang 20 bis hin zu Torstens 39 und meinen 42. alles Leute, die mehr oder weniger mit Kunst, Kultur, IT-Branche und Gastronomie zu tun hatten, ob nun selbstständig oder eben angestellt. Leute, die das Erdbeben, das die deutsche Einheit wirtschaftlich im Osten ja angerichtet hatte, nicht nur überlebt hatten, sondern es zu ihrem Vorteil zu nutzen wussten. Trotzdem zeigten alle untereinander und auch mir eine Herzlichkeit und Freundlichkeit völlig ohne Falsch, also anders, als das, was ich in vier Jahren Internetcommunity GIGA kennen lernen musste. Die Freundschaften dort waren echte und nicht wie die Meisten bei GIGA, die den virtuellen Haken nicht wert waren, mit dem sie da bestätigt werden. Zurück zur Feier. Die Musik, die eine recht gut ausgesuchte Mixtur von Prisenweise Rap und ansonsten richtiger Musik aus den letzten 30 Jahren war, begann ihre Wirkung zu haben und die Ersten schwangen das Tanzbein. Ich saß wie Kapitän Ahab aus Moby Dick am Rande und schaute amüsiert zu. Olli z.B. vollführte einen Tanzstil, der mich auch an Mittermeier und seine Discofoxtänzer erinnerte. Zu allen möglichen und unmöglichen Titeln erschien er Hand in Hand mit einer Partnerin und tänzelte leichtfüßig durch den Raum. Ansonsten ist aber Olli, wie sein Bruder Torsten auch eine Perle von einem Mensch. Ich habe noch nie zwei Brüder gesehen, die so Liebvoll und Harmonisch miteinander umgegangen sind, wie diese Zwei. Sowas habe ich in den letzten Jahren im Internet schmerzlich vermisst. Zumindest in diesem Altersspektrum. Auch Olli ist schon 37 und sieht aber jünger, frischer und liebenswerter aus, wie einige Herren im Internet, die von sich behaupten, das sie 22 sind. Ich könnte jetzt pauschalisieren und behaupten, das nur gutausehende Menschen auch nur gute Eigenschaften haben, aber auch da wurde ich im Netz leider eines Besseren belehrt. Die Bombenangriffe draußen wurden heftiger, denn die Knallerei beginnt in Berlin für gewöhnlich schon am zweiten Weihnachtsfeiertag und alles deutete auf die unmittelbar bevorstehende Jahreswende hin. Ich fühl mich in dieser Zeit besonders alt, da ich mich dann schon in Beirut, Bagdad und Kabul gleichzeitig wähne. Im Angesicht dessen, das Deutschland vor dem wirtschaftlichem Kollaps und das Volk vor bitterer Armut stehen soll, finde ich die Tatsache, das auch 2002 das verarmte deutsche Volk 100 Millionen Euro nur für Knallzeug verbraten hat, doch mindestens Bemerkenswert. Ich frage mich wer diese Partisanenkriege und Raketenangriffe zu Silvester eigentlich zu welchem Zweck erfunden hat? Man redet vom heidnischen Brauch der Vertreibung von bösen Geistern, aber zur Vertreibung des bösen Geistes, der meine linke Körperhälfte in Besitz genommen hat und lähmte, bedarf es schon eines Atomschlags und nicht nur Kiloweise dieses stinkenden Schwarzpulvers! Wie dem auch sei, Torsten, seine Frau und sein Bruder, verspielt wie junge Katzen machten bei der Knallerei lachend und jauchzend mit. Ich blieb in der Rolle des Beobachters, da ich spätestens seit den Panikattacken meines verblichenen Hundes bei jedem noch so winzigem Knall, der Knallerei nichts mehr abgewinnen kann. Außerdem hab ich für sowas dann nun doch kein Geld übrig. In Berlin waren Minusgrade angesagt und die kamen natürlich auch.(Warum stimmen Wetterberichte eigentlich nur, wenn sie einem Dreckwetter versprechen?) vier Grad unter Null waren versprochen, aber ich fühlte mich trotzdem wie das Säbelzahnhörnchen in IceAge und fror jämmerlich. Dankbar nahm ich dann Torstens Wunsch zur Kenntnis, nach hause zu wollen. Diese Bitte konnte ich ihm unmöglich abschlagen, weil ja Funknetzanbieter wie Taxiunternehmen wieder ganz kalt erwischt wurden, das nun am 31.12. doch wieder Silvester ist und die Funknetze sich hilflos, weil überlastet erwiesen und aus den sonst üblichen 5000 Taxen in Berlin zu Silvester seit 10 Jahren regelmäßig nur noch 300 werden und außerdem war es abgesprochen, das Torsten mich im Bluesmobil nach Hause fährt. Hier ist es nun geheizt und das WC in Reichweite und dagegen kommt keine noch so schöne Szenekneipe an. Als Fazit muss ich sagen, das dieses Silvester mit Freunden doch eines der Schönsten war, die ich hatte! Nur mein anderer alter Freund Klaus hätte das Bild noch mehr abrunden können. Irgendwann, wenn ich wieder flüssig bin, will ich meinen Geburtstag dann mit den guten und ehrlichen Freunden, die ich im Internet auch gefunden habe, Leute wie Chris, David, Felix, Joschi, Katharina, Mausi, DryCounty, Thomas4U, frommi, Daniel, Michi, Markus, Nicole,der "italienischen" Steffi, Kim, Lina, Angie, Simon, Leander, dem Altruist und Julian also Freunde, die diese Bezeichnungen auch verdienen, in Ollis Kneipe feiern.