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Staatsbürgerkunde

Ach was war das doch für ein lustiges Fach, das man da in der DDR da so mit 12/13 Jahren in der achten Klasse übergeholfen bekam. Bei mir also 1972.
Eigentlich dazu geplant, den jungen Bürger für das Leben in der DDR fit zumachen und vorzubereiten, war die Staatsbürgerkunde eigentlich eher eine Mischung aus blanker Science Fiction und Märchenstunde.
Diese Erziehung war durchdacht und geplant, aber sie hatte einen, für die DDR damals unerwünschten, Nebeneffekt, sie schärfte das politische Denken.
So war dann den Schülern auch spätestens nach der fünften Stunde klar, das alles, was da so in der Staatsbürgerkunde erzählt wurde, ziemlich unausgegorener Mumpitz war. Auf die Art negierte dieses Fach sich gleich selbst. Unerwünscht, aber praktisch und hilfreich für das weitere Leben.
Es war schon grotesk, was einem in diesem Fach alles so erzählt wurde. Nicht nur, das der Sieg des Kommunismus seit 1972 mindestens einmal täglich immer kurz bevor stand, nein, es ging auch viel praktischer zur Sache und an die Zukunft.
Die Sowjetunion hätte spätestens im Jahr 2000 Städte auf dem Mond und Autos, die Straßen brauchen würden, gäbe es auch keine mehr, weil 2000 alle Autos fliegen können würden. Mit lauter Wahrheiten wurden wir also eingedeckt.
Nur da wir im Angesicht von 12 Jahren Wartezeit in der DDR für ein normales Auto unserer Eltern die Wartezeit für ein fliegendes locker auf 30 Jahre hochrechnen und da war es mit fliegenden Autos im Jahr 2000 ja schon einmal Essig.
Auf die Art haben wir dann auch den Sieg des Kommunismus und die sowjetischen Städte auf dem Mond ziemlich korrekt berechnen können. Staatsbürgerkunde war auf eine ziemlich ungewollte Art und Weise ziemlich hilfreich für den Umgang mit den Weisheiten des Real existierenden Sozialismus. Leute, die schlau genug waren nutzten dieses behämmerte Fach in ihrem Leben, ohne sich auf die SED einzulassen und andere gingen mit ihr dann später unter. Man lernte in der Staatsbürgerkunde vor allem eines. Zwischen den Zeilen lesen und die eigentlichen Intentionen von deren Verfasser zu deuten.
Das hieß in der DDR vor allem eines, Ablenkung vom herrschenden Mangel und der allgemeinen Unfähigkeit, diesen zu beheben. Dieses zwischen den Zeilen den Zeilen lesen können, war aber nicht nur bei der Ostpresse von damals recht hilfreich, sondern auch, wenn man in Ostberlin die BILD in die Finger bekam.
Das gilt allerdings noch Heute. Jubelmeldungen von Regierungen sind noch immer mit Vorsicht zu genießen und das war eigentlich auch nie wichtiger als jetzt. Ob nun Wirtschaftsdaten von Regierung oder Union, oder Siegesmeldungen des Herrn Bush aus dem Irak, solcherlei Meldungen haben immer irgendeinen Haken.
Man kann eigentlich kaum noch etwas glauben, nur weil es irgendwo geschrieben steht. Nur die eigentlichen Intentionen sind für meinen, durch Staatsbürgerkunde geschulten Blick meistens leicht zu erkennen.
Allerdings ist es ohnehin selten der Mühe des Lesens wert.
Ich kann nur hoffen, dass es meinen Lesern nicht ähnlich geht, aber irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen, denn in dem Fall würden ja nicht 20 bis 30 Menschen täglich bei mir auf der HP zum Lesen kommen.