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Tempelphobie

Es ist der vorletzte Tag in Ägypten, das Schiff liegt wieder in Luxor und man hätte eigentlich reichlich Zeit, sich das örtliche „Tal der Könige“ in Ruhe ansehen zu können, aber die Reiseleitung denkt wie auf der Flucht und setzte das Tal doch allen Ernstes schon morgens um Sechs(!) mit auf den Plan.
Das Tal könnte ja noch verschwinden.
Hirn und kraftlos aufstehend, folgen wir erst einem dumpfen Herdentrieb, um dann nach dem Frühstück heroisch als Individuen aufzustehen, die ihre letzten Stunden doch lieber selbst bestimmen wollen, denn Afrika bietet ja nun mehr als alte Steine und Tempel, von denen ich die meisten ohnehin noch als Baustellen kenne. Afrika ist Sonne fett und jede Menge Land und Leute.
Afrika ist auch Erholung und Entspannung vom Stress der modernen Zivilisation. Neben Ermattung und Müdigkeit machen sich die ersten Anzeichen einer Tempelphobie bemerkbar. Der einzige Tempel eines Toten, den ich noch sehen möchte, das wird dann wohl mein eigener sein. Wir hätten den Karnak-Tempel ja noch mal abends und illuminiert mitgenommen, aber dafür wollte man auf einmal Bares und das war bei uns ja längst knapp. Es sollte nur noch für kleinere Geschenke zum mitbringen reichen und die wollten wir auf dem Suk, dem örtlichen Basar, erstehen.
Ganz die faulen Edeltouristen fuhren wir nach runtergehandeltem Preis mit einem Taxi auf und über den Suk, zu einem entsprechenden Laden, den der Taxifahrer natürlich persönlich kannte. Sicher ein Schwippschwager des Großneffen aus erster Ehe seiner dritten Frau, oder so etwas in der Art. Arabische Sippschaften halt.
Ich brauchte vier kleinere Geschenke für vier mir bekannte Damen und eine kleine Gottesstatur für meine Sammlung. Torsten musste für die Seinen auch noch kleinere Wünsche erfüllen, zu denen auch ein ägyptischer Katzengott gehörte.
Mein Auge und mein Herz gehörten sofort vier heiligen ägyptischen Mistkäfern, die in Ägypten Skarabäus genannt werden und einer kleinen, aber ziemlich coolen Statur des Anubis und Torsten bekam Katzengötter in so ziemlich allen Größen angeboten und auch er suchte sich was aus. Dann ging es ans üblichen Handeln und Feilschen um den besten Preis.
Der Sitte gehorchend, gab es dazu erstmal einen leckeren Tee und das Spiel ging los.
Der Händler nannte einen Preis, erzählte ca. 20 Mal etwas von „Discount“, verwies auf die Schönheit und Einzigartigkeit des begehrten Artikels, völlig unberührt von der Tatsache, das dieser „einzigartige“ Artikel mindestens 30 Mal in seinen Regalen stand. Torsten aber hatte die Sitten gelernt und begann mit seinem Preisgebot wirklich lächerlich weit unten.
Der Händler war kalt erwischt und völlig überrascht.
Sofort machte er aus dem Ladenjungen einen Teilhaber, dem er mindestens 90 Prozent seines Gewinns abzugeben habe und er hätte noch seine völlig verarmte Familie ins Spiel gebracht, wäre Torsten nicht so Beinhart geblieben.
Er jonglierte so geschickt mit kleinen Zahlen herum, als wäre er in einem Basar geboren und hätte noch nie etwas anderes gemacht. Am Ende war es dann immer wie in 1001 Nacht, jeder war zufrieden und jeder glaubte ein Geschäft gemacht zu haben. Nur als wir zum Schluss dann auf einmal jeder noch einen, der eben noch so teuren Käfer geschenkt bekommen haben, wussten alle ganz genau, wer der bessere Händler war.
Wir dumme Touristen hatten wieder völlig überteuerten ägyptischen Plunder gekauft, der im besten Fall bei irgendwem im Regal verstauben würde. Allerdings waren unsere Tischnachbarn da einen Zahn schärfer drauf. Sie haben sich einen grob behauenen Stein als Skarabäus für sagenhafte 20 Euro andrehen lassen und waren stolz darauf.
Mein filigraner Anubis kann sich jetzt schon darauf einrichten, ein begehrtes Objekt meiner Kater zu sein. Auf jeden Fall hat Torsten bewiesen, das er jetzt etwas vom Feilschen versteht. Dieses Können wird ihm ohnehin bald nicht viel nutzen, weil deutsche Händler trotz Rabattgesetz dann doch eher zu gewaltigen Festpreisen neigen.
Das macht insofern nicht viel, da sein Bedarf an ägyptischem Plunder zum verschenken genauso gedeckt sein dürfte, wie meiner. Auf alle Fälle war dieser Tag auch ohne einen Tempel sehr gut, wenn nicht sogar noch besser.