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Terror der Hormone

Dieses neue Jahrtausend scheint dazu geeignet, die denkbar schlechtesten Eigenschaften in den Menschen fördern und ausbrechen zu lassen. Torsten, meinen besten Freund, lernte ich vor über 20 Jahren kennen, als wir beide gemeinsam im Friedrichstadtpalast anfingen.
Er als Schlagzeuger und ich als Mitarbeiter der Orchesterdirektion. Wir waren jung, hatten Ideale und Pläne und wir waren beide mit Bands unterwegs gewesen. Das war aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Ich war 24 und er 22, als wir uns im Friedrichstadtpalast zum ersten Mal trafen.
Er war ein exzellenter Drummer und fing im Orchester als Musiker an und ich war als recht guter Organisator und als sehr zuverlässig geschätzt und begann im Orchesterbüro meinen ersten Job.
Nun waren Torsten und ich in unserer Freizeit zwar mit Rockgruppen unterwegs seit wir 17 waren, aber wir haben das Unterschiedlichste aus und mit diesem Fakt gemacht. Torsten holte sich in der Zeit schwarze Flecken auf seiner Vita, aber das wurde erst 10 Jahre später aktuell.
Ich bin in der mir erreichbaren Welt unterwegs gewesen, gab dem Terror meiner Hormone nach und hatte für meinen Teil hatte viele Beziehungen, aber ich strebte nichts an, was auf eine später feste Beziehung mit Kindern hinauslaufen könnte.
Ich war ja schon damals ziemlich krank und habe gewusst, dass ich diese Krankheit von meinem leiblichen Vater geerbt, also in den Genen hatte.
Nun wollte ich aber nicht wissentlich ein Kind in die Welt setzen, dem es dann gesundheitlich genauso dreckig gehen könnte, wie mir.
Ich lebte mich auch so ganz gut aus. Torsten hatte dieses Problem nicht und wartete auf die Richtige zur Familiengründung.
Als er die dann fand, überschlug sich bei ihm alles. Innerhalb nur eines Jahres war er dann verheiratet und auch gleich Vater einer wunderschönen Tochter.
Wobei sie damals nur ein Baby war, das aussah wie jedes andere Baby auch. Allerdings sollte sie nach ihrer Mutter kommen und als ich die zum ersten Mal gesehen hatte, verschlug es mir völlig die Sprache.
Denn im Gegensatz zu den Mädels, die ich kannte und die mir alle nur ein „na ja, aber willig“ entlocken konnten, war Sabine, Torstens Frau, ein ganz klares „Wow, was für eine Schönheit“, um das ich Torsten aus vollem Herzen beneidet habe.
Sie war eine kluge junge Frau hatte schon damals eine eigene Künstleragentur, mit der sie Torsten durchzog, wenn die Auftragslage für Musiker mal wieder flau war.
Ich sah da nur die gängigen Sprichworte bestätigt, dass die dümmsten Bauern die größten Kartoffeln haben und der Teufel immer auf den größten Haufen scheißt, denn Torsten sah genauso wenig gut aus wie ich, er fiel eher unter die Kategorie „ganz netter Typ“, aber er hatte eben Glück und die Frauen, die etwas fürs Leben suchten, standen auf so etwas.
Sabine, so der Name der Schönheit, war drei Jahre jünger als Torsten, wurde ein sehr guter Kumpel von mir und ich ein Bestandteil dieser Familie, die ich fortan auch als meine Familie sah, wenn ich schon keine eigene haben konnte.
Es gibt eben Frauen, die einfach zu gut aussehen, um nur eine schnelle Nummer mit ihnen zu schieben und genau dazu gehörte Bine auch.
Sie war fast so etwas wie meine hübsche kleine Schwester und so gingen wir auch miteinander um.
Knapp 10 Jahre später, es war 1994, Ostberlin und der Friedrichstadtpalast gehörte zum Westen, Torsten war Chefdrummer im Orchester und ich mittlerweile schon stellvertretender Orchestermanager, da holten Torsten die schwarzen Flecken aus seiner Vita ein und er flog aus dem Orchester.
Ich hielt weiter zu ihm, denn er war mein Freund, der Vater meiner Ersatzfamilie und als ich nach meinem gesundheitlichen Absturz im Jahr 2000 wurde er auf meinen Reisen, mein Tensing Norgay, als so etwas wie der Sherpa, der Sir Edmund Hillary 1953 auf den Mount Everest begleitet hatte.
Nur, dass ich schon zu ebener Erde meine Probleme habe und auf langen Strecken eine Begleitung brauche.
Auf die Art konnte ich 2004 auch meine lustige Reise auf dem Nil nach Oberägypten machen.
Als diese Reise vorbei war, wurde es sehr viel weniger lustig mit Torsten.
Der steckte mit 42 in einer heftigen Midlifecrisis und wurde von Bine rausgeworfen, weil er unbedingt eine Freundin in Leipzig brauchte, die mit 22 nur drei Jahre älter als seine eigene Tochter war, die mit 17 schon ihre erste Karriere als Schauspielerin hinter sich hatte. Nun war mir das nicht neu, denn er flog oder ging selbst alle drei Jahre aus seiner Familie wegen einer anderen Frau.
Jetzt allerdings wurde Sabine 40, würde aber noch locker als 29 durchgehen und ich war der Meinung, dass man eine solche Familie nicht wegen einer Leipziger Studentin sitzen lässt und ich hielt dieses Mal zur Familie, an der ja nach 20 Jahren auch mein Herz hängt.
Torsten konnte bei mir noch wohnen, bis er eine Wohnung fand und das war es dann mit 20 Jahren Freundschaft.
Das Vertrauen war einfach weg. Der nächste „Ballast“ den Torsten abgeworfen hätte, wäre ich gewesen und außerdem bin ich der Meinung, das man nach 20 Jahren nicht einfach so Frau und Kind verlässt, nur um eine Jugend nachzuholen und dem Terror der Hormone freien Lauf zu lassen.
Da ich aber dieses Jahr noch Unterägypten mit meinen Pyramiden sehen will, fragte ich ganz einfach Sabine, ob sie mich quasi als Betreuerin begleiten würde und sie sagte zu und ich war begeistert, denn sie ist eine sehr angenehme Gesellschaft und nicht so zickig wie vergleichbare Frauen in dem Alter, die ihrerseits von den Wechseljahren getrieben scheinen und sich dann auf sehr junge Männer fixieren.
Bine schämt sich meiner nicht und hat auch keine Probleme mit meinen Macken. So spüre ich schon jetzt, dass es eine angenehme Reise in ein angenehmes Land mit sehr angenehmer Begleitung wird. Nur ist mein Tensing Norgay dieses Mal eine sehr nette Frau.
Ich habe erstaunlicherweise meine Hormone ziemlich im Griff, da ich mich ja in meiner Jugend schon ausgetobt habe und sehe in Bine nur eine sehr gute und platonische Freundin, mit der ich meinen Spaß und eine schöne Reise haben werde.
Von Torsten habe ich seit Dezember letzten Jahres nichts mehr gehört und daran wird sich auch in absehbarer Zeit nicht viel ändern. Zu Konzerten auf die ich noch gehen möchte, begleiten mich ohnehin andere Freunde.
Zu Ben Folds im Juni kommt Daniel aus einem kleinen Kaff in Niedersachsen nach Berlin und wenn die Stones 2006 hier doch noch einmal auftreten, kommt Julian aus Köln.
Die Beiden haben den ersten Terror der Hormone hinter sich und bis zum zweiten Terror der Hormone in der Midlifecrisis ist es bei ihnen noch etliche Jahre hin.