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Therapeutisches Geschrei

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Es war im Jahr 2002 als die akustische Seuche der Castingshows Deutschland übernahm. Der neue deutsche Staat hatte es aufgegeben, die Menschen mit Visionen für eine bessere Zukunft zu versorgen und dieser Art der Volksverdummung den privaten Fernsehsendern überlassen. Der einstige Tittensender RTL, der vor 25 Jahren mit einer sinnfreien Show namens „Tutti Frutti“, bei der sich unter Leitung des jungen Hugo Egon Balder nach undurchschaubaren Regeln von ihrer Kleidung befreiten, gaben RTL den Beinamen und Balder den Grundstein für seine Fernsehkarriere.
Nachdem RTL in den neunziger Jahren nur noch durch einfallslose Talkshows auffiel, witterte es im neuen Jahrtausend seine große Chance mit den Castingshows.
Man orientierte sich an britischen und amerikanischen Sendungen, fügte ein Superlativ dazu und fertig war dann „Deutschland sucht den Superstar“, kurz DSDS.
Kopf dieser Show war kein junges Talent, sondern eher ein ziemlich altes. Dieter Bohlen, der mit seiner Plastikband Modern Talking 20 Jahre lang den deutschen Musikgeschmack ziemlich nachhaltig ruinierte. Seine Musik blieb zwar haften, aber sie war nicht gut.
Dennoch geizte RTL nicht mit Superlativen und gab Bohlen den schmeichelhaften Beinamen „Poptitan“ und die Jugend war beeindruckt. Sie kamen zu Tausenden, weil ihnen eine Existenz als Superstar als mögliche Option für das Leben eingeredet wurde. Es blieb ja nicht beim Superstar, denn andere Privatsender legten mit den eigenen Superlativen nach, die sie einer schlichten deutschen Jugend versprachen, wenn sie sich als Gladiatoren für die eigene Veranstaltung meldeten.
Pro7 versprach kleinen Mädchen, sie würden ernsthaft Supermodel werden, wenn sie sich vor Kameras und Heidi Klum in ihrem „Germany's next Topmodel“ zum Affen machen und von einer so schrägen Figur wie „Detlef D! Soost“ drillen lassen würden, nur damit die Sender den vielen Platz zwischen den Werbeblöcken füllen können.
Nur hat RTL mit DSDS zweifellos die größte Veranstaltung dieser Art. So treibt es mittlerweile über 35 000 junge Menschen zu dem Vorsingen, mit dem das alles beginnt. Menschen, die sich in diesem Staat keine Zukunft ausrechnen, glauben, sich mit Geschrei bei RTL den Status eines Superstars sichern zu können. Es geht bei DSDS auch weniger um Musik, als viel mehr darum, mit einer solchen Sendung den Voyeurismus zu bedienen und möglichst an den Sender zu binden.
Die Musik selbst ist ja ohnehin nicht mehr das, was sie mal war.
In einer Zeit, in der ein zweifelhaftes androgynes Wesen mit dem Namen Lady Gaga als Megastar gefeiert wird, ist das Adjektiv super dann auch so wertvoll wie eine Stubenfliege als Fleischeinlage einer Suppe.
Die Zeit, in der man Musiktitel nach den ersten drei Takten und am ersten Reim erkannt hat, ist ja sowieso über 25 Jahre vorbei. Was sich heute so als Hits in den Charts tummelt, geht über gefälligen Elektropop mit seichtem Gesinge nicht hinaus. Also ideal für eine Generation, deren Aufnahmefähigkeit als eher begrenzt gesehen wird und damit ideal für RTL und sein DSDS. Am interessantesten am ganzen Casting ist das Vorsingen, die Bewerbung, also das Casting für die Castingshow.
Dort sieht man Figuren, von denen man gar nicht glaubt, dass die in der Realität möglich wären. Völlig verpeilte Jungs und Mädchen zwischen 16 und 30, von denen zumindest die Älteren ihr Leben eigentlich längst im Griff haben sollten. Aber alle agieren, als hätte man ihnen das Zentrum für Vernunft im Hirn abgeschaltet und alle in recht sinnloser Konkurrenz, denn es geht ja nur um öffentliche Blamage und nicht um einen Posten im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Gerade die kleinen Hühner dort liefern sich keine Zickenkriege, sondern recht nervige Kükengemetzel, wenn sie in die nächste Runde kommen wollen.
Die jungen Männer sind da modisch einfacher gestrickt. Die haben heute zum größten Teil eine sehr kurze Wehrmachtsfrisur und hin und wieder einen Walter Ulbricht Gedächtnisbart am Kinn. Aber eines haben sie gemeinsam, wirklich singen können die Wenigsten.
Trotzdem hält sich jeder für die Inkarnation von Freddy Mercury und schreit los, aber meist nur, um glanzlos am Nachsingen fremder Lieder zu scheitern. Es ist diese Art von schrägem Exhibitionismus ist es, die bei RTL die Quoten hochtreibt, wenn da DSDS läuft.
Was dort als Musik angeboten wird, fällt eigentlich unter die Genfer Konvention über akustische Folter, aber das tun die Songs von Modern Talking auch und trotzdem wird Dieter Bohlen von einschlägigen Kreisen zum „Poptitan“ aufgewertet.

Auch DSDS hat sich mit der Zeit verändert. Waren es zu Anfang noch skurrile Gestalten wie ein Daniel Küblböck, sind es mittlerweile auch schon schwer Kriminelle, die, wie ein gewisser Menowin oder ein Nico direkt aus dem Knast kamen und da auch wieder landeten. Junge Unsympathen, denen ich nicht einmal meinen Keller zum Fegen anvertrauen würde, treten an zum Therapeutischem Geschrei.
Aber die Show kommt an und ist neben vielen ähnlichen Shows das Panem et Circenses der Moderne, mit dem man das Volk von wichtigen Dingen und vor allem, von schlechter Politik ablenken kann.
Daran gemessen, wird DSDS noch seinen 20. Geburtstag erleben, denn in einem Land, in dem sich ein mental verarmter Landadel seine akademischen Grade aus dem Internet kopieren kann, ist so ziemlich alles möglich. Ein anderes Phänomen ist noch, dass der ganze Planet RTL sich um das Geschrei dieser Kinder dreht, als gäbe es keinen Rest der Welt.
Wenn es dann schon mal junge Sänger gibt, die wirklich singen können und sogar Preise gewinnen, haben Pro7 und die ARD nichts Besseres zu tun, als diese Sänger in endlosen Castings zu verschleißen. Superstars sind das alle nicht, aber in der aktuellen Staffel gibt es zumindest ein bis drei sympathische junge Sänger und DSDS 2011 hat ein sehr sympathischer junger Italiener gewonnen, der sogar natürlich war und nicht aufgesetzt.








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