About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Treffen sich zwei Schluck Wasser

Kanzlerduell



Wer noch immer nicht wusste, wie desaströs es um das politische Personal in Deutschland bestellt ist, der konnte sich in einer Sendung, die mutig „Kanzlerduell“ genannt wurde und gleich auf vier Sendern gleichzeitig, nach dem Motto „Masse statt Klasse“, ausgestrahlt wurde, davon überzeugen.
Die FDJ Kanzlerin Merkel und der Kanzlerkandidat Steinmeier standen vor der Kamera wie ein altes Ehepaar, das leicht angewidert bei einem Kindergeburtstag mitmacht und sich nur zur Freude der Enkel mit Wättebällchen bewirft.
Während Steinmeier wie ein entlaufener Beamter wirkte, fixierte Merkel die Kamera und gab der Krise ihr endgültiges Gesicht, wie Volker Pispers es so treffend erkannt hatte.
Inhaltlich waren es beide Nullnummern, denn die größten Probleme Deutschlands haben sie ja zusammen als die größte Koalition in der Geschichte der Menschheit angezettelt.
Nur wissen wollte davon beide nichts mehr und hatten nur verschiedene Standpunkte was die Nutzung der Atomkraft angeht. Ansonsten sonderten sie nur parteipolitisch abgesegnete Floskeln ab.
Die Zuschauer, die sich zur selben Zeit auf Pro7 mit den Simpsons vergnügt hatten, haben nichts versäumt, was für die Wahl am 27. September relevant wäre und ich hatte nach der semipolitischen Kuschelstunde eigentlich nur das Bedürfnis, am Tag der Wahl Horst Schlämmer zu wählen. Der verspricht nichts, was er nicht halten kann und ist zudem noch sehr unterhaltsam.
Aber zurück zum den beiden Geronten, die um die Wähler buhlten.
Ein solches „Duell“ hätten sich auch zwei Taubstumme liefern können, die sich gegenseitig mit einer alten Zeitung verprügeln.
Der frische Wind, der mit Obama aus Amerika herüber wehte, hat sich im Dunst der Drogen verflüchtigt, die sie seit de Amtszeit von Schröder auf den Toiletten des Bundestags konsumiert wurden.
Am härtesten gingen noch die Moderatoren Maybrit Illner, Peter Kloeppel, Peter Limbourg und Frank Plasberg politisch zur Sache und versuchten die beiden Politiker aus der Reserve zu locken.
Nur beide Kontrahenten wirkten so, als hätte sie einer mit Morphium sediert, während sie ihre Parteiprogramme runterleierten.
Nachdem bald jede Parkuhr in Deutschland am Tag mehr einnimmt als ein ausgebildeter Facharbeiter, brachte Steinmeier das Thema Mindestlohn zur Sprache und Merkel konterte mit ihrer Leier von den Steuern, die sie wahlweise und je nach Tageslaune, mal erhöhen und mal senken wollte. War Merkel 2005 bei Schröder sichtbar nervös, so wirkte sie diesmal so kalt und gelassen und sah auch so aus wie Oma Käthe Meier-Linsenfeucht, die beim Stricken nur eine Masche fallen lassen hat.
Steinmeier war auch kein Schröder, sondern er wirkte wie der Fahrer, der Oma Käte das Essen auf Rädern brachte. Kaum zu glauben, aber Volker Pispers hat recht und selbst Rudolf Scharping redet flüssiger und schärfer.
Man hatte den Eindruck, da unterhalten sich wie ältere Leute über ihre Intimpiercings und verblichene Tattoos, die sie mal interessanter machen sollten und nicht etwa zwei echte Politiker über ihre verschiedenen Auffassungen von konstruktiver Politik für dieses Land.
„Hätte“, „wäre“ und „würde“, alles nur im Konjunktiv. Keiner will sich nach der Wahl auf etwas Konkretes festnageln lassen.
Jeder drittklassiger Staubsaugervertreter aus der Provinz weiß sein Produkt besser anzubieten als diese beiden Schmarotzer ihr Programm und ihren Willen zur Macht.
Selbst als die Moderatoren gezielt nachfragten, ergingen sich beide Bewerber in Allgemeinplätzen oder Auszügen aus dem jeweiligen Parteiprogramm. Merkel kam auch gerne zu ihrem „Glücksfall“ Mauerfall, obwohl sie damit noch weniger zu tun hatte als der Westdeutsche Steinmeier, denn sie saß damals da und wartete ab, als andere demonstrierten. Aber auch in der Gegenwart wollte sie nur zusehen, was passiert. Da hat es Steinmeier zumindest gedämmert, wie wenig z.B. Krieg in Afghanistan dem deutschen Volk etwa nützt. Immerhin einer, der sich zu anstehenden Problemen wenigstens bekannte.
Die Kanzlerin schwebte derweil sich selbst segnend durch das Land und gibt sich, als wäre sie die Vorsitzende des Zentralkomitees der CDU, die über endlose Geldreserven verfügte, mit der sie die Billionen an Schulden bezahlen könnte, die sie mit beiden Händen in den letzten vier Jahren gemacht hat.


Nur mit konkreten Plänen hielt sie sich bedeckt und so wirkte dieses „Duell“ auch eher so, als wäre die Höchststrafe für die Bürger, die nächste Große Koalition schon beschlossene Sache, denn ein Wahlkampf ist nun mal nicht der Kaffeeklatsch, wie ihn die beiden Leute im gesetzten Alter da miteinander lieferten.
Merkel hatte nur eine Vision für die Zukunft und das ist eine Mondlandeprogramm der Deutschen, nur bleibt ungewiss, ob Merkel und ihre Amazonen mitfliegen und dort bleiben würden, also wieder eine weitere teure und nutzlose Mission, wenn das nicht sicher ist. Nur als Hilfe zur Wahl waren diese 90 Minuten Kanzlerduell in etwa soviel wert wie eine Dokumentation über das Mooswachstum in deutschen Mischwäldern.







Wer dazu eine Meinung hat, der bemühe den Link hier