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Urlaub mit kleinen Hindernissen

MS Coral

1. Tag mit Anreise, Flug und Einschiffen

Da sich das Prinzip „schwimmendes Hotel“, das uns in Ägypten von Ziel zu Ziel gebracht hat, ja bewährt hatte, dachte ich mir, das wäre auch eine gute Idee, um das Mittelmeer zu bereisen.
Nur hatte ich dabei die Rechnung ohne die Reiseveranstalter gemacht. Die Zeiten, wo man Urlaub in B machen wollte und dafür bei Reiseveranstalter A Fahrt und Unterkunft buchen und bezahlen konnte und das tatsächlich auch seinen Gang ging, scheinen ein für allemal vorbei. In einem recht undurchsichtigen Geflecht bietet Veranstalter A eine Reise an, die man beim Reisebüro D bezahlt und von Kreuzfahrtreederei K aus Griechenland(!) dann eventuell auch pünktlich die Reiseunterlagen bekommt.
So war das auch bei mir, der einer Fernsehwerbung glaubte, dass der ihm ganz billig eine Mittelmeerkreuzfahrt verkaufen würde, die dann allerdings locker das Sechsfache kostete. Nun ist man aber als ehemaliger Bürger der DDR solcherlei Nepp langsam gewöhnt und wichtig war die Reise an sich, die ja schon deshalb gut werden musste, weil ich sie wieder mit meinem Hasen Bine machte und sie meine Mutter mit dem großen Herzen auch noch viel zu früh bezahlte.
Zu früh, weil der Veranstalter das als Großzügigkeit missverstand und bis drei Tage vor Reisebeginn erstmal beschloss, gar nicht zu reagieren und mich auch nicht mit so unnötigem Kleinkram, wie Tickets und Unterlagen für die Reise zu belästigen. Nach mehreren, recht wütenden Anrufen meiner Mutter kann das Zeug nun genau einen Tag vor der Reise an. Aus der geplanten, mörderischen Busfahrt von 12 Stunden nach Genua ist aus irgendwelchen Gründen dann ein Flug geworden, der allerdings eine Zwischenlandung in München, im Reich des Darth Stoiber verlangte.
Das Einchecken in Tegel war allerdings vom Kampf gegen den Terrorismus überschattet, weil man hinter jedem Rasierwasser nun finstere Bombenanschläge vermutete und so wurde das simple Einchecken dann auch zur Tortur. Die 25 Kilo TNT, die ich mühsam in mein Nasenspray gestopft hatte, wurde allerdings völlig übersehen. Nur bei Bine tappte der Zoll dann in die Hartgeldfalle.
In ihrer grenzelosen Güte hatte uns meine Mutter mehrere hundert Euro Taschengeld zum Verplempern überlassen und davon 130 Euro in Münzen in einem kleinem Ledersack.
An dem scheiterte nun der Zoll mit seinen technischen Apparaturen dann völlig und sie erkannten ganz klar und messerscharf eine Bombe. So war ich dann durch den Zoll und Bine musste zurück und erklären, warum ihr Geld aus Metall und vor allem soviel auf einem Haufen ist. Dann endlich durften auch wir Einchecken, wie die 12 bärtigen Männer mit den AK47 vor uns. Bis dahin war der Flug für einen mit der Lufthansa ziemlich erfreulich, also eher untypisch gewesen, denn die Flugbegleiterinnen, im korrekten Terminus Saftschubsen, die übrigens alle mit türkischer Zunge deutsch redeten, waren, speziell zu mir Krüppel, ausnehmend freundlich und zuvorkommend. Auf dem großen und sehr belebten Friedhof, den die Münchner ihren Flughafen nennen, wurde ich sogar mit einem Rollstuhl zum anderen Flugzeug geschoben, weil man brillant erkannt hatte, wie schwer mir das Laufen auf 1,5 Füßen doch fiel. Das andere Flugzeug, das dann direkt nach Genua fliegen sollte, war dann auch der Bringer.
Es war ein Propellerflugzeug der italienischen Air Dolomiti, die ich selbst noch von meiner Reise nach Varazze, wo ich 1997 für einen Kumpel den Trauzeugen bei seiner Hochzeit war von unbestimmter Bauart und sah in etwa aus, wie die alte Antonow, mit der ich mit meinen Eltern an die Ostsee geflogen bin, als ich sieben Jahre alt war. Auch sonst sah das Ding dann eher aus wie handgeschnitzt und mundgeblasen und vor allem ziemlich grottig. Eigentlich wirkte es von innen weniger wie ein Flugzeug, als vielmehr wie das U 9 aus Wolfgang Petersens „Das Boot“ und wir saßen genau dort, wo vorher die Torpedorohre waren, also ziemlich eng. Auf die Art gestaltete sich schon der Hinflug zu einem Abenteuer, denn Bine musste etliche Drogen einwerfen, um den Flug zu überstehen. Sie schlief wie ein Baby und war auch für Getränke kaum wach zu bekommen. Es empfiehlt sich als meine Begleitung ja ohnehin, die eine oder andere Droge einzunehmen, denn ich neige dazu. Leute in den Wahnsinn zu quasseln. So kamen wir also, mehr oder minder entspannt nach einer Flugzeit von weiteren 100 Minuten auf dem Flughafen von Genua an.
Dort erwartete uns dann die nächste finstere Überraschung, denn es erwartete uns niemand vom Schiff. Einem Ehepaar aus Halle erging es ähnlich und wir taten uns erstmal zusammen. Im sehr Kleingedruckten des Vertrages stand die Passage, dass der Transfer vom Flughafen zum Schiff nicht mit inbegriffen sei. Bei dem Preis eigentlich eine Frechheit, aber das Kind lag im Brunnen, wir standen am Flugplatz und für eine saftige Beschwerde war ja keiner da.
Bevor wir nun am Flughafen in der italienischen Hitze weiter vor uns hin transpirierten, kam uns als gängiger Ausweg ein Taxi in den Sinn, was uns zum Schiff bringen könnte. Gesagt, getan und wir winkten einem Taxifahrer. Der lud uns und das Gepäck von vier Leuten ein, fuhr los, nannte den Preis und fuhr dann wieder zurück, weil wir mit ihm völlig unvorbereitet auf die italienische Version der Marktwirtschaft getroffen sind, wie er uns in einer gewagten Art Englisch mit Händen und Füßen erklärte. So will man in Italien für alles und jedes Geld und Gebühren haben. So erklärte uns der gebeutelte Italiener die geforderte 45 Euro für die sechs Kilometer bis zum Schiff dann auch mit den Gebühren für die Nutzung der Autobahn und einem exorbitant hohem Benzinpreis. Er zählte noch einige andere Gebühren auf, aber die habe ich, der ja auch kein anständiges Wort Englisch spricht, dann nicht verstanden.
Ich glaube nur etwas von „Facelifting für die Schwiegermutter“ und „Brillantzahnspange für die pubertierende Tochter“ rausgehört zu haben, aber ganz sicher war ich mir nicht. Nachdem wir uns auf stolze 35 Euro für vier Personen geeinigt hatten, denn jenseits der Alpen kann, soll und vor allem muss man um jeden Preis feilschen können, fuhr uns der gute Mann dann auch zum Schiff und unterwegs erfuhren wir nicht nur, dass italienische Handys besonders laut sind. Diese waren nicht nur so laut und eindringlich, wie amerikanische Ghettoblaster in der Bronx, sondern man konnte mit ihnen über Infrarot auch das italienische Mautsystem bedienen.
Wo dann die Frage auftaucht, warum die Deutschen mit ihrem unausgereiften System der Pleitefirma „Tolcollect“ damals das Rad neu erfinden musste, wenn Italien ein sehr viel besseres System längst hatte? Schnee und rausgeworfene Millionen von Gestern.
Das Schiff war genauso beeindruckend, denn es war nicht nur ein Schiff, sondern ein sehr imposantes achtstöckiges Bauwerk, mit dem man auf dem Wasser fahren konnte. Vier Masten, vier Schornsteine und 24 Kanonen, mit 300 Mann Besatzung aus 28 Ländern, wie ich später erfuhr und somit eine interessante Mischung aus Titanic, Gorch Fock, Poseidon und Black Pearl. Nun hätten wir eigentlich an Bord gehen können, wenn wir nicht den Fehler begangen hätten und auch unser Handgepäck im Kofferraum des Taxis verstauten.
So aber kamen die dienstbaren Geister des Schiffes, rissen den Kofferraum auf und trugen alles, was drin war zum Schiff, um es dort vor uns auf die Kabinen zu bringen. Sinnigerweise auch die Tasche mit unseren Pässen, die natürlich drei Minuten später, beim Einschiffen von uns verlangt wurden. So hatte Bine das zweifelhafte Glück, den fleißigen Kofferträgern hinterher zu rennen und volle drei Stunden unser Gepäck und unsere Pässe zu suchen, das lustigerweise und völlig falsch, schon im ganzen Schiff verteilt war. Nachdem das mit Erfolg erledigt war, erkannte man an, dass wir tatsächlich auch die waren, die wir ausgaben zu sein und dann durfte auch ich auf das Schiff.
Als ich dann unsere Kabine sah, war es so, wie Bine meinte, im Gegensatz zu unserem Schlafsaal auf dem Nilkreuzfahrtschiff war diese Kabine dann doch ziemlich „übersichtlich“ gehalten, wenn man den Bezug zur Größe des ganzen Schiffes nahm. Nun ging es aber auch nicht um das Wohnen im Luxus, sondern hauptsächlich um eine Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer und da hat Bine beschlossen, dass alles ganz „super“ sei und wer würde es wagen, einer solchen Frau zu widersprechen? Ich für meinen Teil nicht. So gaben wir uns abends sogar das Kulturprogramm, das auf solchen Schiffen ja wohl üblich ist und ich litt kurz still für mich hin, denn in diesem Programm war so ziemlich alles untergebracht, was in den letzten 50 Jahren eine Bühne gesehen hat, oder von ihr kam. Das Programm war also ganz nett für die Leute, die im Normalfall kein Theater von innen sehen.
Nur ist nett aber nicht nur der kleine Bruder von Scheiße, sondern ich habe lange genug an einem Theater gearbeitet, um auch wirklich jeden einzelnen dieser Hits zu kennen. Da unsere Kabine eine sehr geräumige Dusche hatte, orientierten wir uns anders und beschlossen, dass zu machen, was wir immer machen, wenn wir eine Dusche sehen. Unter anderem uns gegenseitig sauber. Dann
beschlossen wir doch, ins Bett zu gehen und dort schliefen wir im Rhythmus des Stöhnens der gepeitschten und daher stöhnenden Rudersklaven unter uns dann ein und damit war der erste und bis dahin schwerste Tag auch schon zu Ende.

Wer dazu eine Meinung hat und die unbedingt auch loswerden will, der klickt bitte Hier!