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VEB Neckermann

Es war soweit, nun sollte mein neues Bett, eine Liege von Neckermann und nicht von Otto, wie sie zuerst sagte, im zweiten Anlauf dann doch kommen. Meine Mutter war guten Mutes und räumte mir meinen Flur auf ein Neues frei, damit da große Möbelstücke, wie bspw. Ein Bett oder eine Liege auch durchpassen.
Ihr Glaube an die Marktwirtschaft war trotz des Fiaskos von letzter Woche noch ungebrochen. Ich hab seit 1981 damit zu tun und meine Vorfreude war entsprechend gedämpfter. Denn letztendlich wird auch in der Marktwirtschaft nur mit Wasser gekocht und sie wird von Menschen gemacht. Als es dann doch tatsächlich schon um Acht klingelte und zwei Transportarbeiter schnaufend eine Liege in die Wohnung wuchteten, traf meine Mutter fast der Schlag. Die Liege, die da kam, war völlig identisch mit meiner alten, ausgemusterten Liege und die Sitzhöhe, auf die meine Mutter und ich besonderen Wert gelegt hatten, war somit lächerlich tief. Dieses Teil hatte auch absolut nichts mit dem gemein, welches bei Neckermann bestellt worden war. Die Lieferanten konnten dafür ja am Wenigsten, gaben noch guten Rat, bekamen ihr Trinkgeld und verließen hastig den Ort des heiligen Zorns meiner Mutter. Ich glaubte, ein Deja Vue zu haben und wähnte mich wieder in der DDR und deren Verkaufsgebaren. Nur dort brauchte es bis zu acht Monaten, bis die Lieferung erst gar nicht kam und dann die Falsche.
Da ist der Westen wirklich besser, der erledigt das schon in nur sechs Wochen. Nun begann die Zeit der Taten und ein Anruf bei Neckermann ergab folgerichtig, das kein Mensch an diesem Dilemma schuld war, sondern ein fieser und böser Computer seinen Dienst genau dabei arglistigerweise versagt hatte. Nun bin ich ja selbst seit Jahren Besitzer einer solchen Rechenmaschine und kann auch eine Lagerverwaltung mit Excel zusammenschrauben. Nicht gut, aber gängig. Gibt es also zwei Möglichkeiten, entweder die Computer bei Neckermann sind aus der Zeit Ramses des 3. oder deren Bediener. Ich für meinen Teil tippe da auf Letzteres, denn soviel ich gelesen habe, liefen die Rechner selbst mit Windows im alten Ägypten noch recht gut. Nur die Eingabe der Hieroglyphen mit dem Bronzefaustkeil soll etwas problematisch gewesen sein. Zurück zu Neckermann und meiner Liege, denn irgendwo muss ich ja auch schlafen. Die Fehllieferung blieb also bei mir und dann kam der große Auftritt der Mitarbeiter von Neckermann.
Die Logik hätte ja eigentlich geboten, das man die falsche Lieferung einfach gegen eine richtige austauscht, aber da machte Neckermann ganz auf VEB und verlangte doch glatt eine Neubestellung, sicher um die Spannung etwas zu erhalten und wir wieder sechs Wochen warten dürfen. Wir hätten dieses Zeug ja auch in einem Berliner Möbelhaus ordern und kaufen können, aber Mutter wollte die 20 Euro Transportkosten sparen. Das ist schon ein Wucher, aber im Angesicht der Leistungen des VEB Neckermann ein klarer Fall von Falschgeiz, um es mit Saturn auszudrücken. Was mir in den Kopf schoss, war etwas abenteuerlich, aber irgendwo auch wahr. Hätte Hitler sich damals der Logistik von Neckermann bedient, wäre sein Feldzug nach Polen 30 Kilometer vor der polnischen Grenze sein Ende gehabt.
Nur war damals Neckermann noch nicht so im Geschäft. Dafür sorgt dieses Versandhaus jetzt dafür, dass ich mich wieder fühle, als hätte ich es mit dem Möbelkombinat Zeutrie aus der verloschenen DDR zu tun. „Neckermann macht’s eben möglich!“