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Vergangenheitsbewältigung

Steven Spielbergs Filme haben bei mir die Eigenart, immer die gegensätzlichsten Reaktionen hervorzurufen. Entweder gefallen sie mir zu 100 Prozent oder sie tun es eben nicht.
Bei dem Film „München“ hätte ich trotz des finsteren Themas eigentlich mehr Spannung erwartet, denn es ging ja um Rache.
Die Rache sei zwar sein, verspricht der Herr, Gott, in der Bibel mehrere Male, aber wenn es darauf ankommt, lässt er, wie immer, auf sich warten. So geschehen auch bei den Olympischen Spielen 1972 in München, als 11 palästinensische Attentäter, heute nennt man so etwas Terroristen, ins olympische Dorf eindrangen und 11 israelische Geiseln nahmen, die im Verlauf dieser Aktion dann aber auch alle auf dem Flughafen Fürstenfeld/Bruck bei München umkamen.
Ich war damals 12 und habe das alles schon sehr bewusst und gespannt am Fernsehen des Westens verfolgen können, das wir in Berlin ja zum Glück empfangen konnten. Ich erinnere mich auch noch dunkel, dass nach diesem Anschlag in den Nachrichten dann von diversen toten Palästinensern die Rede war, die auf die merkwürdigsten Weisen umkamen. Das Fernsehen warf dabei auch sofort mit Begriffen, wie PLO, ETA, RAF und IRA um sich, aber von Rache oder Vergeltung der Israelis sprach keiner. Genau das wollte Spielberg nun ändern und uns aufklären.
Das war zumindest meine Erwartung, als ich in diesen Film ging. Ich ging mit einem jungen Mann hin, der sehr viel später geboren war, aber auch Interesse am Thema hatte. nur was genau da im September 72 passierte, erfährt der interessierte Zuschauer nur in Rückblenden, die natürlich über den ganzen Film verteilt sind und ansonsten ließ er den Zuschauer sehr viel über jüdische Bräuche, Feiertage und noch mehr über jüdische Befindlichkeiten wissen, die der, für die Rache verpflichtete, ziemlich geheime Agent des Mossad und seine Kollegen so mit sich trugen.
Wenn man erwartet hatte, dass die Rache von Agenten des Mossad, die angreifenden Aliens aus Spielbergs letzten Film aussehen lassen würde, wie eine Attacke von einem Schwarm Fruchtfliegen auf die Erde, der wurde böse enttäuscht. Es galt genaue 11 Leute umzubringen, aber in der Handlung schleppte man sich förmlich von einem zum anderen und das zerrte nicht nur an meinem Nerv, sondern ich sah auch andere herzhaft gähnen und unzufrieden flüstern und im Kinosessel rumrutschen.
Auch mein junger Freund zeigte sich wenig begeistert, denn er wollte, wenn bei diesem Thema schon nicht unterhalten, doch wenigstens flüssig darüber informiert werden. Er konnte sich zwar anhand der, meist völlig sinnfrei eingefügten Rückblenden ein Bild darüber machen, was vor 32 Jahren im September passiert ist, aber das hätte man anders machen können. Sinnfrei eingefügt, weil die letzten Rückblenden auf das Massaker von München genau dann kam, als der, mit der Rache beauftragte Agent Avner, ein großartig spielender Eric Bana, mit seiner Frau Liebe machte als eine Art Traumsequenz kamen. Da aber Agent Avner aber nicht in München dabei gewesen ist und auch keine direkten Verwandten dort verloren hat, kann man das dann nur als Alptraumsequenz des ganzen israelischen Volkes interpretieren. Nur wurde der Film überall als Actiondrama angekündigt, ist aber dann nur noch ein Drama über die Gewalt von Nichtjuden gegen Juden und umgekehrt, in dem etwas Action vorkommt. Die ist dann zwar gut und sehr hart gemacht, aber das reicht bei weitem nicht für einen Film von zweieinhalb Stunden Länge.
Ich schwimme da wieder einmal gerne gegen den Strom und mache mir bestimmt Feinde, wenn ich sage, dass mir der Film nicht gefallen und damit auch nicht unterhalten hat. Er war ganz meisterhaft gespielt, ohne jeden Zweifel, das hätte ich „Hulk“ Eric Bana gar nicht zugetraut, aber bei mir und ich spreche jetzt nur für mich, hat er einfach Thema und Nerv verfehlt, denn ich mag generell kein Betroffenheitskino, egal, wie gut es gemacht ist und für Dramen gilt das Gleiche. So etwas kann man sich mal im Fernsehen geben, aber wenn ich ins Kino gehe, möchte ich für das Geld ganz einfach nur unterhalten werden. Zumal das Thema Israel gegen den Rest der arabischen Welt ja seit dessen Gründung 1948 auf der Tagesordnung steht und gerade mit dem Wahlsieg der radikalen Hamas in Palästina einen neuen Höhepunkt erreicht hat, wobei ich aber mittlerweile überzeugt bin, dass die Palästinenser sich jetzt in Sachen Terror zurücknehmen werden müssen, wenn sie aus Europa und den USA Geld sehen wollen.
Nur das ist das Thema für ein anderes Drama und das werde ich sicher nicht sehen wollen. Meine Wertung liegt bei mageren 5/10 und die Fünf auch die nur für die schauspielerische Leistung von Eric Bana. Auch die DVD werde ich nicht brauchen, denn diese Art Spielberg ist ganz einfach nicht mein Ding. Solche „Erziehungsfilme“ hatte ich in der DDR 30 Jahre. Nur eben nicht auf Spielberg-Niveau.

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