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Verkaufstraditionen

Das Deutschland eine Servicewüste ist, das hatte sich eigentlich auch schon bis zu mir herumgeschwiegen. Spätestens als ich 1998 selbst und vor Ort erlebt habe, welchen Aufriss man in den USA um jeden einzelnen Kunden macht, war mir das bewusst. Wie schmerzhaft anders es da in Deutschland zugeht, machte mir heute der Otto-Versand wieder einmal klar. Meine Mutter hatte da zu meiner Freude festgelegt, dass mein altes Bett nach drei Jahren und damals schon gebraucht erstanden, nun endgültig durchgelegen sei und auf den Müll gehört. Sie bestellte also bei Otto im Januar ein Neues mit der, für Deutschland eigentlich aberwitzigen Lieferzeit von sechs Wochen!
Den Kanzler, der la nun durch Deutschland tingelt und den Konsum im Binnenmarkt ankurbeln will, dürfte das auch freuen. Nur ist seine Botschaft bei der verkaufenden Industrie wohl verhallt. Zumindest ist sie das beim Otto-Versand. Denn zur Lieferung verlangten sie die winzige Galgenfrist von neun Stunden, die man mit dem Arsch Zuhause hocken soll, auf das der Versand genug Zeit zum Liefern hätte.
Also eigentlich einen ganzen Arbeitstag. Ob man nun Arbeit hat, oder nicht, der Tag ist zum Teufel! Schon weil diese Frist nicht nur unanständig lang, sondern auch unanständig früh angesetzt ist. Bei diesem großzügigem Zeitplan überlegt man dann schon, ob man eigentlich nur ein simples Bett aus Deutschland, oder einen, von Kindern handgeknüpften Opiumdiwan aus Indien bestellt hat. Wie auch immer, man hat ja auch so seine Pläne, die man wöchentlich einhalten muss. Bei mir sind das drei Tage die Woche Bewegungstherapie, wie diese barbarischen Akte von körperlicher Folter recht mutig genannt werden. Da meine Mutter nun auch über ein gerüttelt Maß an Erfahrungen mit deutschen Versandhäusern und deren abenteuerliche Zeiteinteilung verfügt, rief sie beim Otto-Versand und bat darum, den Liefertermin wenigstens auf einen Tag mit einem sehr späten Foltertermin zu legen und man sagte ihr das auch fest zu.
Dieser Tag war nun heute und da ich morgens um Sieben für gewöhnlich noch recht komatös schlafe, hielt sich meine Begeisterung mit Null in recht messbaren Grenzen, als ich auf das Klappsofa ins Wohnzimmer umziehen musste, das eher für gesunde Rücken gebaut war, als für den Meinen. Jedenfalls rief sie zur Sicherheit gegen Acht im Auslieferungslager an, bekam die Bestätigung, dass alles unterwegs sei, rief meinen helfenden Nachbarn an und baute munter und sehr optimistisch mein altes Bett ab.
Ich verbog mir derweil mein Kreuz auf dem Gästesofa und schlief bei laufendem Fernseher ein. Erwacht bin ich dann gegen 14:00 Uhr durch lautes Fluchen meiner Mutter ins Telefon. Das morgens zu 100 Prozent als verladen zugesagte Bett stand immer noch im Lager herum und der Otto-Versand versprach die prompte Lieferung schon eine Woche später, aber an einem Dienstag. Nur da hatte ich dann wieder böse Termine.
Den Rest des Tages blafften wir uns gegenseitig an, so endlos war unser Glück und keiner von uns war schuld! Das nächste Stück Möbel bestelle ich dann besser gleich im Regenwald oder bei den indischen Dealern, denn man sagt von ihnen, das sie wenigstens prompt und wie zugesagt liefern. In jedem Basar in der dritten Welt geht man mit zahlender Kundschaft besser um als in Deutschland.
Zeitweise erinnert mich das sogar an die Läden in der DDR, die zwar kaum was im Angebot hatten und das Wenige, was da war partout nicht den Kunden zukommen lassen wollten. Also irgendwie eine recht deutsche Eigenart. Ich werde nächsten Dienstag wieder um sieben aufstehen und schon gegen 20:00 Uhr wird mein neues Bett kommen. Allerdings wird auf diese Weise die deutsche Wirtschaft unter keinem Kanzler wieder etwas werden.