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Verschwende Deine Jugend

Das ist keine Aufforderung, sondern ein ziemlich fröhlicher Film den Benjamin Quabeck 2002 (!) über den Beginn der „Neuen Deutschen Welle“ am Beginn der achtziger Jahre gedreht hat.
In den Hauptrollen ein fröhlicher Tom Schilling als rühriger Manager Harry, der für seine Gruppe „Apollo Schwabing“ alles nur Mögliche macht, um sie auf eine Bühne und vor ein großes Publikum zu bekommen.
Da das in meinem Fall autobiographische Züge hat, ganz ein Film für meinen Geschmack.
Harry setzt sich selbst unter Druck und sein Bassist und Sänger Vince, überzeugend gespielt von Robert Stadlober hilft noch kräftig nach. Auf dem satten Musikmarkt im Westdeutschland der Achtziger musste da schon etliches mehr unternommen werden, als ich es in der musikalisch unterversorgten und verschlafenen DDR je tun musste.
Harry setzt alles aufs Spiel, was er hat. Auto, Plattensammlung und sogar seinen Job bei einer Bank, um eigentlich nur ein Megaevent für seine Gruppe und für München auf die Beine zu stellen. Um die Leute zu locken, wirbt er für ein Konzert mit der schon bekannten Gruppe D.A.F.
Nur weiß die davon nichts und will davon auch nichts wissen, weil der Sänger von D.A.F. Konzerte schon 1982 ganz schlicht für „out“ erklärt. Er lag auch mit seinen sonstigen Voraussagen im Film ziemlich daneben. Bis auf die eine, wo er prophezeite, dass die CD die LP ersetzen wird.
Ob und wie Harry sein Event doch noch auf die Füße gestellt bekommt und ob D.A.F. dann auch spielt, dazu sollte man sich den Film ansehen, den es gerade sehr billig bei Amazon gibt.

Was mich angeht, so hatte ich kein Auto zum verkaufen und brauchte es auch nicht, denn meine DDR hungerte nach Musik. Unser Techniker und ich, wir fuhren übers Land und fragten Bspw. in Leipzig oder Frankfurt/Oder nach, ob sie denn da gerne guten Rock hören wollten. In den meisten Fällen wollten sie und da war es an mir, den Rest zu erledigen.
Anders wie im Film musste ich nicht mein Hab und Gut verhökern, um meine Band auf eine Bühne und vor ein großes Publikum zu bekommen. Ganz im Gegenteil, der Staat förderte uns sogar noch. Wir mussten uns nur von ihm einstufen lassen, was die Qualität angeht, denn da war er pingelig. So mussten die Musiker auch ein wenig Musik studieren, was sie dann auch ohne Murren taten.
Auf die Art hatte jeder Musiker der DDR auch eine ziemlich fundierte Ausbildung. Nur ich hatte und brauchte keine, wenn mich meine Musiker zu einem Solo in Sachen Blues dann auf die Bühne holten. Die NDW war auch der Grund, warum ich die Band dann 1983 verließ, denn die Musiker wollten sie einfach nur nachspielen.
Ich machte 1983 einen Boxenstop als Leiter eines Jugendclubs und fing 1984 beim Friedrichstadtpalast an und aus dem Rocker wurde ein Zivilist. Die Band machte ihr Ding weiter und ich sah sie erst 1987 wieder, als der Gitarrist in meiner Tür stand und verkündete, ich hätte Recht gehabt. Ich stimmte erst einmal freudig zu und fragte dann, womit? Der Rock wäre das Einzige, was zählt und den machen sie jetzt. Im selben Jahr wurden sie damit Band des Jahres in der DDR und spielten locker mit so ostdeutschen Größen, wie Silly, City und anderen zusammen. Sie hatten es also geschafft. Ich war zwar nicht mehr dabei, aber mir blieben ja der Anfang und der Beginn der Achtziger, wo ich alles mit eingerührt hatte. Ganz im Gegensatz zu einigen jungen Menschen und zum Titel des Films habe ich meine Jugend genutzt und nicht mit wirren, rechten Parolen in einer virtuellen Welt vergeudet und habe jetzt wenigstens eine Masse guter Erinnerungen und ich habe meine kleine Welt ein Stück mitbewegt.