About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Vierter Tag

Abschied von Luxus, Zwischenlagerung und der „Orientxpress“ nach Kairo

Dieser erneute Reisetag begann eigentlich wie jeder andere Tag bisher auch. Mit Bines flötendem Weckruf und meinem sehr quengligen und mauligem Aufstehen. Danach Frühstück und dann die Zeremonie des Duschens des weißen Wals, also unserer täglichen Peepshow auf dem Sonnendeck am Pool. Wieder gab es lange Augen und Zungen, die das Deck wischten. Wir hatten also wieder Spaß und erstaunlicherweise hat sich keiner nach unseren nächtlichen Praktiken erkundigt, trotz meiner vielen blauen Flecken. Nachdem wir gestern bei einem Vortrag über Land und Leute erfahren haben, dass in Ägypten alle 27 Sekunden ein Kind geboren wird, haben wir mit Entsetzen festgestellt, dass wir ja schon fast vier Tage da und bald mehrere hundert Kinder im Rückstand sind, aber das nur am Rande.
Dann schaltete Bine auf fleißig zurück, räumte unser Zeug zusammen und materialisierte dabei gleich noch den gasförmigen Schlüssel zurück, der sich die Nacht arglistig hinter einem Koffer versteckt hatte. Dann legte sie sich aufs Sonnendeck, weil Sonne ja Morgen verboten wird und ich legte meine faule Haut in die Kabine, die bedeutend angenehmer, weil kühler ist. Dann vergingen die Stunden und der Abschied vom Schiff war angesagt. Dass es vorläufig auch ein Abschied vom Luxus wurde, war uns bis dahin noch völlig unklar. Wir, die Masse der Leute, die nach Kairo und den Pyramiden wollten, wurden aber erstmal auf ein anderes Schiff umgesiedelt, weil die „Marquis“ es eilig und einen anderen Zeitplan hatte und zurück nach Luxor wollte. Irgendwie fiel der Abschied von uns wohl schwerer als geplant, denn die „Marquis“ drehte nach 10 Minuten bei, kam zurück und lieferten Bine und mir die vergessenen Reisepässe aus. Schreck lass nach! Wer genau nun was vergessen hatte, fanden wir völlig egal. Nicht ganz so egal fanden wir die Tatsache, dass ein Luxusdampfer Sprit dafür verbraucht, ehemaligen Gästen die Pässe hinterher zutragen. In Deutschland hätte man solche Pässe feierlich versenkt und wäre weitergefahren, um die Termine zu halten.
Aber wir waren ja in Ägypten und die „Masse der Leute, die nach Kairo wollten…“ das waren Bine, ich, eine christlich/katholisch bewegte bayrische Bäuerin und deren ebenso bewegte minderjähriger Tochter. Bei Bine kam ganz einfach die Mutter durch und sie dachte an ihre eigene Tochter, die in ihrer Wohnung in Berlin gerade sturmfrei feiert. Diese Bäuerin muss schon an ein höheres Wesen glauben, wenn sie 2005 mit ihrem Biobauernhof überleben will.
Der Zug nach Kairo auf diese „5 Sterne Reise“ nach Kairo hatte im Übrigen mit dem berühmten Orientexpress von Agatha Christie nun herzlich weniggemein. Es war ein gemeiner und enger Liegewagen, wie ich ihn aus den Zeiten meiner Jugend in der DDR noch kannte, wo ich oft und lange Bahn gefahren bin.
Nur war ich damals 25 Jahre und 30 Kilo jünger und um Einiges beweglicher. Heute lockt ein solcher Liegewagen nur mit der Geräumigkeit einer vollen Streichholzschachtel und der Bequemlichkeit des Bücherregals „Smoerebroet“ von Ikea. Der einzige Unterschied bestand darin, dass der aus Ägypten doch tatsächlich sauberer war, aber dafür kein Wasser hatte. Recht mutig für ein Land mit 30 und 40 Grad Hitze, aber dafür war dann das Essen wieder trocken und ziemlich ungenießbar und so glich sich am Ende wieder alles aus. Jede Sardine hätte in ihrer Büchse schneller den Freischwimmer machen, als das wir in diesem Liegewagen anständig hätten schlafen können! Einer der wenigen Minuspunkte der ganzen Reise waren die 12 Stunden Bahnfahrt von Assuan nach Kairo, denn das war vielmehr ein Survival-Camp auf Schienen. Eine Art Überlebenstraining in der Bahn. In dieser Bahn habe ich erst die Gottesfürchtigkeit, der an sich und sonst sehr netten Biobäuerin aus Bayern und deren Tochter zu spüren bekommen, denn aus Langeweile sang sie im Gang stehend, auf einmal fromme Lieder. Da wurde mir dann schlagartig klar, warum Gott so sauer auf die Menschen ist. Wer sich jeden Tag mehrere Millionen Mal solcherlei frommen Gesang in allen Sprachen anhören muss, der dreht ja ganz zwangsläufig durch und schickt dann Tsunamis, Fluten, Hurrikane und andere Katastrophen zu den hartnäckigen Sängern, weil er dann noch angepisster ist.
Als sich der christliche Anfall bei Eva, so der Name der Bäuerin, dann legte, enterten wir den Clubwagen des Zuges und es wurde nach Kräften gesoffen. Die Damen atmeten Bier oder Whisky/Cola ein und ich nuckelte an meinen Säften. Beim Gespräch kamen die Damen zu ihrem jeweiligen Broterwerb und dabei erfuhr ich nicht nur, dass Eva völlig verarmter bayrischer Landadel ist und wie sie einen Biobauernhof betreibt. Ich hab ja schon hart in meinem ersten Leben gearbeitet, aber eine solche Schinderei hätte ich mir dann doch nie angetan. Gegen 23:00 Uhr gab es dann noch eine recht lustige Einlage des Reiseveranstalters, wo ein Zugüberfall durch arabische Banditen simuliert wurde. Dass dies nicht echt und gespielt war, wusste ich aus dem Internet, wo ich mich in das Netzwerk des Veranstalters gehackt hatte. Dazu waren die streunenden ehemaligen Republikanischen Garden von Saddam Hussein verpflichtet worden, die den Zug stoppen und einige Frauen entführen sollten. Es waren finstere Gesellen, die auch finster aussahen und ihren Auftrag missverstanden und dann etwas zu gründlich gemacht hatten, denn drei Abteile weiter wurden drei Schotten erschossen, weil sie, warum auch immer, ihre Frauen nicht hergeben wollten. Der Söldner, der für uns, also mich und nunmehr meine drei Weiber zuständig war, der kannte hingegen seinen Job, ich konnte den Helden spielen, es floss kein Blut und ich blieb am Leben.
Der zuständige Zugbegleiter sah den Arbeitsunfall der Republikanischen Garde und entspannte die Lage und servierte den übrig gebliebenen Schotten, die noch am Leben waren eine Wort und Gestenreiche Entschuldigung und etwas Tee. Nachdem sich die Situation für alle so etwas entkrampft hatte machten wir alle weiter, wie gehabt.
Ein paar anregende Getränke, die ihre Wirkung offensichtlich verfehlten, weiter, wurde man müde und beschloss, dem Namen des Liegewagens alle Ehre zu machen und sich zum schlafen hinzulegen, aber aus oben erwähnten Gründen blieb das ein frommer Wunsch. So machten wir uns eben lang, so gut es nur ging und dösten solange vor uns hin, bis ein, für uns nicht nachvollziehbar frischer Zugbegleiter das Licht anmachte und ein fröhlichen „Salam Aleikum, wir sind gleich in Kairo!“ ins Abteil schmetterte und uns, nach unserem müden „Aleikum Salam“ einen halbwegs starken Kaffee servierte.
Als wir dann tatsächlich völlig übermüdet, verdreckt und mit halb gebrochenen Knochen von den wolkenartigen Liegen in Kairo ankamen, erwarteten wir mindestens eine Möglichkeit, wo man sich waschen oder duschen kann, aber und das war dann der zweite Minuspunkt, man schleppte uns in das Foyer eines Hotels, wo man uns Herren und Damentoilette als beste Gelegenheit zum waschen zeigte. Da ich auch bei solchen Selbstverständlichkeiten woanders als zuhause auf Hilfe angewiesen bin, dackelte ich brav mit Bine aufs Damenklo, auf das sie mir dann helfe, denn immerhin wartete endlich die alte Wohnung des Cheops auf mich. Nur platzte eine alte Dame in die Zeremonie meiner Waschung, sah unsere halbnackten Körper und stolperte rückwärts wieder raus. Bine holte sie mit den beruhigenden Worten zurück, dass die Dame im Irrtum sei und nicht bei der versprochenen 12:00 Uhr Orgie ihres Hotels, sondern wir lediglich eine grauenvolle Fahrt hinter uns hätten und uns dort waschen sollten und ob da Bine nun aufs Herrenklo gegangen wäre oder ich auf das der Damen, wäre eigentlich Jacke wie Hose, da ich mich für eher ungefährlich halte und Bine bei den Damen wohler fühlte. Halbwegs sauber und halbwegs trocken, aber hundemüde wurden wir in der Rushhour der 20 Millionen Ägypter, die in Kairo leben, dann endlich zu den Pyramiden gefahren. Das war dann aber auch der absolute Höhepunkt und das Highlight und eigentlich auch der einzige Grund dieser erneuten Reise nach Ägypten. Diese Cheops-Pyramide war dann aber auch jeden Pfennig wert, die meine Mutter für die Reise hingelegt hatte. Es muss unser Glück gewesen sein, das der Ägypter, den wir an der Cheops-Pyramide baten, ein Foto mit meiner Kamera von uns beiden zu machen, doch tatsächlich ein Berufsfotograf war und dann seinerseits anbot, gegen kleines Entgelt richtig gute Bilder von uns zu machen. Gesagt, getan, er rückte uns mit seiner Spiegelreflexkamera auf den Pelz und die Fotos sollten wir an der Sphinx bekommen. Es fügte sich, dass ich mal wieder WC benötigte und an der Sphinx sollte eines sein und so sind wir also hin. Ich wollte das Ding ohnehin mal gesehen haben und war schon wieder begeistert. Nur war sie sehr viel kleiner als auf allen Bildern, die ich kannte. Danach ging es dann los, 500 Kilometer durch die Sahara in Richtung Rotes Meer und zum Sinai.
Wir vier hatten alleine einen vollklimatisierten Bus für 20 Leute, zwei, sich abwechselnde Fahrer und zwei Fremdenführer, die so ziemlich alles für uns taten. Eigentlich waren nur 2 Pausen geplant, aber nach 72 Stopps wegen WC für mich und zum Rauchen für die Damen kamen wir endlich in unserem Hotel in Hurgada an. Es war ganz offensichtlich ein 5 Sterne Hotel, aber wie die Städte an der Westküste der USA nicht in die Höhe, sondern eher in die Fläche gebaut. Was ich schon ahnte, sollte schnell Gewissheit werden. Für den Weg von unserem Hotelzimmer bis zum Speiseraum hätte man in Deutschland locker mehrere Stationen mit der Straßenbahn gebaut. Die Ägypter erkannten natürlich mein persönliches Problem mit diesem Weg und so wurden Bine und ich mit dem elektrischen Kofferwagen zu unserem Haus mit unserem Zimmer gekarrt und konnten uns dann nach drei Tagen „On Tour“ endlich wieder in weiße und saubere Betten legen, wo wir dann wie die Steine auch einschliefen.