About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Vom Niedergang der politischen Satire

hildebrandt
Nach langer Zeit hab ich mir mal wieder auf der ARD den Scheibenwischer angesehen und ich war erschrocken. Aus der einstigen Festung der Satire, mit der seit 1980 der politische Journalist und als schlagfertiger Kabarettist bekannt gewordene Meister des Halbsatzes, Dieter Hildebrandt jede Regierung seit 1980 mit grandiosem Wortwitz karikierte, ist ein Laberclub alt gewordener Komiker, die auch nur noch ansatzweise komisch sind.
War Dieter Hildebrandt vor 15 Jahren im Scheibenwischer noch so wortgewaltig gegen die Regierung Kohl und dessen Kanzlerwahlverein, der Union, dass der Bayrische Rundfunk sich 1986 sogar genötigt sah, den Scheibenwischer aus dem Programm zu nehmen um die bayrischen Bauern nicht zu überfordern.
Das ist nun Geschichte, denn nachdem Dieter Hildebrandt den Scheibenwischer 2003 endgültig verlassen hat, ist dieser nur noch ein Schatten seiner selbst.
Heute beherrscht jeder gute Comedian die Kunst der guten politischen Satire und da braucht es die politischen Dinos der ARD gar nicht mehr, zumal sich die wirklich großen Wortakrobaten ohnehin längst vom Scheibenwischer zurückgezogen haben, in Rente gegangen sind oder wieder auf Tournee.
In Sachen Wortwitz, auch bei politischen Themen, sind die Dinos der ARD ohnehin längst von Leuten, wie Dieter Nuhr und Michael Mittermeier längst überholt worden und die richtig guten Gäste des Scheibenwischer, wie ein Volker Pispers oder ein Georg Schramm kommen schon längst nicht mehr oder nur in sehr seltenen Ausnahmefällen.
Ein mir an sich eher unverständlicher Vorgang in dieser Zeit, wo das deutsche Volk sich mit einer Regierung belohnt hat, die geradezu nach Parodie und politischem Kabarett schreit. Wobei eine Regierung, die schon ihre eigene Parodie ist, kabarettistisch an sich ja kaum noch zu übertreffen ist.
Zumindest nicht von den alten Herren im Scheibenwischer. Ihre jüngeren Kollegen von der Comedy tun sich da viel weniger schwer. So sprach Dieter Nuhr gelassen aus, was viele andere nur denken, als er, vor Sarkasmus triefend sagte: „Wenn ich Frau Merkel beleidigen will, muss ich sie nur wörtlich zitieren“.
Nur sein Kollege Michael Mittermeier geht noch etwas weiter und macht sich herzhaft über diese Kanzlerin lustig. Schon mit der ersten Harald Schmidt Show 1995 bekam der müde, aber damals noch interessante Scheibenwischer ernsthafte Konkurrenz.
Im Gegensatz zu den Öffentlich/Rechtlichen hatten die Privatsender schnell erkannt, dass man die Zuschauer am leichtesten mit guter Comedy vor dem Bildschirm hält, wenn es denn mit der Werbung doch zuviel des Guten wird.
Es war des Guten zuviel und neben der Förderung von Talenten der Comedy kamen dann die großen Nachteile der Privatsender zum Vorschein. Es gab rund um die Uhr kleine und große Laberrunden, in denen menschliche und soziale Wracks ihre Problemchen vor die Kameras zerrten, die von der Art war, wie ich sie nicht einmal guten Freunden erzählen würde.
So blieb bei den Privaten eigentlich nur die Comedy, was hieß, von 1995 bis 2002 die Harald Schmidt Show auf Sat1 und ab 2002 auf Pro7 der Quatsch Comedy Club des Thomas Hermanns, der immer neue Talente auf die Bühne und damit auch gleich ins Fernsehen holte.
Beim Privatsender RTL allerdings hatten sie nichts Besseres zu tun, als Deutschland mit der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ zu beglücken, mit der sie nicht nur Dieter Bohlen, den man an sich lieber vergessen hätte, wieder auf den Bildschirm zerrten, sondern auch jede Menge junge Primaten, die sich ernsthaft für Sänger hielten, darunter deren Chef, ein gewissen Daniel Küblböck, der als ausgeflippter Clown mal Anfangs unterhaltend war, aber jetzt eigentlich nur nervt.
Was den Scheibenwischer angeht, kann es auch sein, dass die Menschen von heute mit der Macht des Wortes ganz einfach überfordert sind und nicht mehr umzugehen wissen. Ich merke das im Internet, wenn übereifrige Forenbetreuer jeden auch nur ansatzweise sarkastischen Kommentar von mir als Angriff und Beleidigung werten und ihn löschen, weil sie ihn eben nicht verstehen und mit Wortwitz nicht umzugehen wissen.
In dieser abgestumpften Welt hat ein Scheibenwischer ohnehin keine Zukunft mehr und man wird sich bald auch bei ihm an ein gutes Stück aus der Vergangenheit erinnern müssen. Zumindest das untere Level um Küblböck hat so noch eine Grundlage.

Volker Pispers, einer der besseren Gäste Anfang 2006


Der zornige Sprachathlet Georg Schramm



Michael Mittermeier, einer der brauchbaren Bayern



Ein Schlusswort des zornigen Rentners



Ein offenes Wort von Dieter Nuhr






Der Wortmüll der Privaten





Wutausbrüche oder auch normale Kommentare bitte hier