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Wachkoma

Ein Koma ist nun eine der wenigen Erfahrungen, die außer mir fast keiner gemacht hat, den ich heute noch kenne. Nicht einmal ein pawlowsche Blogger. Nur einer und der eine sind nun, fünf Jahre nach einem Autounfall als Beifahrer wieder fast völlig fit und ist heute 23 und fährt sinnigerweise jetzt selbst so ein Auto. Er will es wohl unbedingt wissen!
Was nun die Patientin Terri Schiavo in den USA anging, so lag oder besser hing die ja nun schon 15 Jahre(!) mehr tot als lebendig in ihrem Bett und ist nun nach langem und sinnlosem Kampf zu ihrem Glück verstorben. Ich kann das sagen, denn obwohl ich nur Wochen und Monate im Koma lag, wünschte ich mir danach des Öfteren, ich wäre da besser drüben geblieben.
Denn egal wie man das nennt, was danach kam, war kein vernünftiges und ausgefülltes Leben mehr. Meine vorgesetzten Chefs, die noch in meine Klinik gedackelt kamen, als ich da im Rollstuhl saß und mir alles mögliche in die Hand versprochen haben, wenn ich nur aus der Klinik und dem Rollstuhl kommen würde, haben mich danach noch mehr hängen lassen, als mein kaputtes Hirn und mein nun gelähmter Körper. Es war wie im Bundestag und es galt das gebrochene Wort. So waren die Sozialisten nun einmal, die es fertig brachten, vor und auch nach der Wende Chefs zu sein. Herr Kohl war da etwas schlampig mit dem „linken Pack“.
Zurück zum Koma. Man sagte mir, dass ich nicht nur im Koma gelegen hatte, sondern auch 4,5 Minuten Nahtoderfahrungen gehabt haben soll, also klinisch tot gewesen bin. Nur, als ich am 10. April 2000 am Computer, wo ich zuhause ein paar Dateien fürs Orchester ordnen wollte, zusammengesackt bin, zog weder mein Leben an mir vorbei, noch habe ich irgendwelche Lichter oder Tore gesehen.
Da gab es nicht einmal eine Hölle, die mich eingeladen hätte. Die kam erst später, als ich aufwachte und bemerkte, dass ich die Hälfte meines Körpers nicht bewegen konnte. Mein fettes, erfülltes und schönes Leben war damit vorbei und nun hangele ich mich irgendwie über die Jahre.
Was Terri Schiavo anging, so war ihr Hirn durch das jahrelange Koma ja nun deutlich mehr geschädigt als das Meine und ihr Körper hätte noch viel weniger funktioniert. Die Leute, die ernsthaft meinten, das sie noch gelebt habe, als man aufgehört hat, sie künstlich zu ernähren, sind nur dumme, religiöse Fanatiker, die ihr eine künstliche Hölle bereitet hätten, wäre sie noch immer am Leben.
Aber Terri Schiavo ist tot und sie soll in Frieden ruhen und den Tod genießen, denn vom Leben hatte sie ja nicht viel. Sie hat ja nicht einmal erlebt, dass sie 30 wurde und das allein bedeutet bei einer Frau ja schon Unglück genug. Ein Leben, das diesen Namen verdient, hätte Terri Schiavo ohnehin nie wieder gehabt.
Ich hätte um ein Haar meine 40 nicht erlebt und peile dafür nun die 45 an, aber nur, um mich wie 138 zu fühlen.
Das alt werden ist ohnehin nicht die beste Erfindung und nervt eigentlich nur. Aber da ich weiß, dass mich einige Leute noch schätzen und brauchen und andere dafür vor mir Angst haben und ich sie noch nerven kann, mache ich mir die Freude und werde älter und älter. Vorher kümmere ich mich aber um eine Patientenverfügung, damit ich nicht wie Terri Schiavo enden muss, denn so ein Ende ist sogar mir ein wenig zu unwürdig.