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Was vom Westen übrig blieb

In Berlin zumindest macht sich ein Phänomen breit und in Deutschland entwickelt dort einen Standard, der Ost und West jetzt gleichermaßen gilt. Hatte man vor 24 Jahren noch neidisch von Ostberlin auf Westberlin geguckt, wenn man mal wieder irgendetwas Bestimmtes fürs Leben gesucht und nicht bekommen hat, so ist sich 15 Jahre nach der seltsamen, überhasteten Einheit, zumindest in Berlin fast alles auf dem Niveau von Ostberlin vor 20 Jahren.
Trotz oder gerade wegen des unsinnigen Euro sind zum Beispiel die Benzinpreise im Verhältnis zu den Einkommen so hoch, wie sie in 40 Jahren DDR nie gewesen sind und das Anfahren an eine Tankstelle ist in etwa dasselbe, als würde man im Mittelalter die Burg eines Raubritters als eine sichere Raststätte wählen. Es gibt zwar immer noch mehr, als es in Ostberlin je gegeben hat, aber wenn die Wünsche einigermaßen spezieller Natur sind, erlebt der Käufer im vereinten Deutschland ein Phänomen, welches bis 1989 eigentlich nur den Käufern in der DDR vorbehalten war, die es wagten, geheiligtes und gottgleiches Verkaufspersonal mit Wünschen zu belästigen.
Man wird pampig und speziell in Berlin macht sich eine eigenartige Form einer Krankheit beim Nichtvorhandensein bei bestimmten Produkten breit.
Das Verkaufspersonal fällt in eine Art Trance, zuckte heftig mit den Schultern und gibt, gerade in Berlin relativ unkontrolliert ein monotones „Hamwanich“ von sich.
Beides ein Ausdruck dafür, das mal wieder ein bestimmtes Produkt nicht im Angebot ist und sich das auf eine, für das Personal nicht absehbare Zeit, auch nicht ändern wird.
Nur wenn ich 1981 nach Westberlin fuhr, war es alles ganz anders. Der Westen schien wirklich golden zu sein und es gab eigentlich Nichts, was es nicht gab und Schulterzuckendes Verkaufspersonal brauchte es ganz einfach nicht.
Ich habe es 1981 selbst erlebt, wie der Verkäufer in der Filiale einer Kette in einer anderen Filiale anrief, ob da mein Wunsch vorrätig sei, nur um nicht sagen zu müssen, dass mein Wunsch nicht erfüllt werden könne. Das war ein absolut anderes Verkaufsgebaren, als das, was ich von Ostberlin kannte, wo der Verkauf und die Verkäufer vom Mangel bestimmt waren.
Daran hatte man sich allerdings gewöhnt, denn es war ja der Osten und da kannte man es nicht anders.
Nun aber, über 20 Jahre später und eine deutsche Einheit und die zweite Währung weiter, kann es einem schon wieder passieren, das man für sein Geld nicht das Gewünschte im Laden bekommt.
Die Firma OB bietet zwar mittlerweile für jeden Wochentag eine andere Sorte Tampon an, aber auch das geht am Bedarf eines deutschen Mannes irgendwie vorbei.
Sicher auch am Bedarf der meisten deutschen Frauen.
Nur das ist nicht der Punkt.
Das „Hamwanich“ der Marke Ostberlin hört man immer mehr und immer öfter auch in so westlichen Konsumtempeln, wie Media-Markt, Aldi, Karstadt oder Kaisers/Tengelmann in ganz Berlin.
Eigentlich egal, was man kaufen möchte, ob teure Heimelektronik oder billige Getränke.
Handelt es sich nicht um 08/15 Wünsche, fangen auch im vereinten, westlichen Deutschland schon wieder die Schultern an, sich gegen die Schwerkraft zu wehren und beginnen ohnmächtig zu zucken.
Wenn man noch die Dreistigkeit besitzt, nachzufragen, warum das gewünschte Produkt nicht da ist, bekommt man als Standardantwort etwas über die nichtvorhandenen Lager und die damit eingesparten Kosten zu hören.
Das klingt meistens zwar logisch und einleuchtend, aber hat in etwa denselben Wert wie die Ausreden der Verkäufer in der DDR.
Denn man bekommt ja trotzdem nicht, was man gerne hätte.
Ich war ja mittlerweile in den USA, Afrika und Asien und weiß von daher, dass es auch anders geht und der Kunde tatsächlich ein umworbener König sein kann.
Nur das neue Deutschland hat von der DDR alles nur denkbar Schlechte übernommen. Von den sozialistischen Chefs bis hin zu der Servicewüste.
Es wird auch kein Kanzler und keine Kanzlerin den Binnenkonsum wieder in Gang bringen können, wenn ein gelangweiltes, desinteressiertes und ruppiges Verkaufspersonal sich bei der Kundschaft so gibt, als würde es mit entsichertem Lohnzettel zum Verkaufen von Dingen gezwungen werden.
Es sollte sich auch in Deutschland langsam die Erkenntnis breit machen, das Läden und Supermärkte dann doch hauptsächlich für zufriedene Kunden da sind und nicht für die Erholung gestresster Verkäufer.
Andernfalls wird der Westen nur weiter verosten und ich glaube nicht, dass das auch nur ein Deutscher möchte.
Mir jedenfalls haben erlebte 30 Jahre ostdeutsche Verkaufsunkultur völlig gereicht!
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