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Watch your Steps

2. Tag auf ziemlich hoher See, Seenot-Übung und Schlagseite

Heute ging es mit der rasanten Geschwindigkeit von acht Knoten aus Genua in Richtung Marseille am Libanon, an Kuba, Haiti und Hawaii vorbei nach Frankreich und der Tag begann ziemlich ereignislos damit, dass Bine und ich uns in einer Friedensmission sahen und uns vom Heck der MS Coral ins Mittelmeer stürzten, an die libanesische Küste schwammen und jeder eine Rakete mit den Zähnen aus der Luft holt. Bine eine Rakete der Hisbollah und ich dafür eine der Israelis. Nach dieser segensreichen Tat hatte man, zumindest bei mir, Probleme, mich wieder an Deck zu holen, denn mir fehlten ja noch immer eine Hand und ein Fuß, damit ich die Leiter hochkam. Da hatte Bine den rettenden Einfall und die Seeleute der MS Coral schossen mir eine Harpune, die eigentlich für den Walfang gedacht war, für Gäste, die das als Hobby betreiben, durch die lahme Schulter und zogen mich dann mit einem Flaschenzug wieder an Bord. Ich wurde kurz als Held gefeiert und dann gab es auch schon Frühstück, bei dem ich eine Extraportion gebratenen Speck bekam. Eine Delikatesse, die ich seit meinem längeren Urlaub 1998 in den USA, wo ich fast einen Monat das Land mit einem Kollegen bereiste, sehr schätze und die man mir leider auch ansieht. Da allerdings die befürchteten Racheaktionen von Hisbollah und Israelis ausblieben, setzte Kapitän Nikolaos gleich mal eine Rettungsübung für alle Passagiere an. Das dauerte insgesamt eine Stunde und dann legten wir auch schon in Marseille an, wo noch mal 230 französische Passagiere zustiegen und damit waren die 844 Plätze dann auch schon voll und aus irgendeinem Grund hatte das riesige Schiff auf einmal Schlagseite und sicher nicht, weil ich mir zuviel gebratenen Speck gegönnt hätte. Somit komme ich auch zu dieser rätselhaften Überschrift hier. „Watch your Steps“, also „Achte auf deinen Schritt“ steht auf diesem Schiff an fast jeder Stufe, jeder Gangway und jeder Türschwelle, die übrigens wie auf den ägyptischen Nildampfern, unglaublich hoch gebaut sind. Zum Aufhalten einbrechenden Wassers können die Dinger unmöglich gedacht sein, denn dazu sind sie wiederum zu klein und normale Türen sind auch keine Schotts. Wenn der Kahn tatsächlich mal so richtig absäuft, dann hilft auch keine noch so gut beschriftete 5 cm hohe Schwelle mehr. Ach ja, Wasser. Auf dem fuhren wir nachts und mit Schlagseite weiter in Richtung 17. Bundesland, der Proleteninsel Mallorca. Wir fuhren nachts und hörten wieder nur den Rhythmus der großen Trommel, die den Takt vorgab, das Knallen der Peitsche und das Gestöhne der blutenden Rudersklaven unter uns. Ein älteres Ehepaar, das mit dem 12jährigen Enkel Max unterwegs war, hatte es da weniger gut, denn sie sollten sehr viel näher am Heck über etwas schlafen, das Maschinenraum genannt wurde und in dem, wie sie uns beim Essen glaubwürdig versicherten, dann auch Maschinen wie blöd lärmten. Bine und ich, wir waren in Marseille auch ein paar Minuten an Land, aber mir hat das völlig gereicht, denn Marseille war eine recht moderne Stadt, sprich, ein Neubaugebiet und sah nicht viel anders aus, als München/Neuperlach, Köln/Kalk oder Berlin/Marzahn, Hellersdorf oder Siemensstadt. Also nicht unbedingt eine Stadt, für die man eine Kreuzfahrt buchen müsste. Ich war 1992 schon mal mit einem Freund in Frankreich, der an der Grenze, im Europa-Park, in Rust als Artist engagiert war und der hatte mich in Strasbourg zu einem Essen mit gerösteten Weinbergschnecken überreden können und obwohl die sogar sehr lecker waren, hatte ich mir geschworen, noch viel näher Frankreich nicht zu kommen. Obwohl nun "Watch your Steps“ überall geschrieben stand, ließ es sich bei mir kaum verhindern, dass ich alle 20 Meter stolperte und fast auf die Fresse fiel, so wie ich vor mich hin trampelte. Auf dem Weg von unserer Kabine zum Pool gab es alleine 36 Schilder, die mit "Watch your Steps“ auf die Art unseres Laufens hinwiesen und das, obwohl wir den Lift benutzt hatten. Ohne Lift wären es noch einige mehr. Der Pool an sich war diesmal ein bautechnischer Unfall, bei dem an ein entspanntes Miteinander Rumgemache nicht zu denken war, denn dieser spezielle Pool hatte keinen flachen Bereich zum turteln, sondern er war gebaut, wie ein gusseiserner Kessel mit zwei Leitern und damit denkbar ungeeignet für einen Mann mit nur einer Hand und einem Fuß. So mussten wir also bei der Version Dusche bleiben, wenn wir balzen wollten und das taten wir dann auch bis nächsten Tag im Hafen von Mallorca.