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Wer darf zum Arzt?

11.01.04

Die Privaten, RTL wieder vorneweg, haben auf der Grundlage der letzten Gesundheitsreform ein neues Format entwickelt, das Gesundheitsquiz. Die Kandidaten erwarten mehrere Gewinnstufen, von der Übernahme der Kosten einfacher Heilbehandlungen, wie Schnupfen, Husten und Heiserkeit hin zu der Übernahme der Kosten von kleineren Operationen, wie Furunkel, Blinddarm in der ersten Runde und Unfalloperationen, wie Knochenbrüche, Zahnarzt und abgetrennten Gliedmassen in der zweiten Runde bis hin zur Übernahme der Kosten einiger chronischer Krankheiten in der dritten Runde bis hin zum Hauptgewinn, der sauteuren Kostenübername bei der Heilung von Querschnittslähmungen oder so tödlicher Krankheiten wie AIDS und Ebola. Das Prinzip beruht auf RTLs „Wer wird Millionär“ mit Günther Jauch, nur das diesmal Johannes Heesters moderiert, der mit seinen über 100 Jahren ein Beleg dafür ist, wie alt man werden kann, wenn man nur das nötige Geld dafür hat.
Juppi Hesters, inzwischen selbst schon 64mal auf Kosten des Senders an jeder nur denkbaren Ecke geliftet, betritt schwungvoll die Bühne und zieht dabei seinen Tropf recht elegant hinter sich her. es ist ja eine Gesundheitssendung und da geht das. Das Publikum, alles Kranke, denen aber das Geld für jede Behandlung fehlt und die daher rege mitfühlen an der Show. Nun werden die zehn Kandidaten in ihren Rollstühlen hereingeschoben und das Publikum jodelt, weil es auch auf der Anzeigetafel steht. Es sitzen auch die im Rollstuhl, die eigentlich ohne Probleme laufen könnten, denn das passt besser zur Optik der Show. Heesters begrüßt alle zusammen und stellt die erste spannende Ausscheidungsfrage. An der Frage, wie man die Finger einer Hand von links nach rechts nennt, scheitern drei Kandidaten völlig, weil sie seit Geburt keine Hände haben und daher auch überfragt sind.
Nur einer war wirklich schnell, eine Frau Kupferbreitmauzwillingsfuss aus Mühlheim, eine Klavierlehrerin mit Lungenkrebs, die so stark geraucht hatte, das man ihre letzte, noch glühende Zigarette chirurgisch aus dem Mundwinkel entfernen musste und dafür ihren Lottogewinn von 300 000 Euro verbraten hatte. sie war ziemlich schnell und hatte nur 15 Sekunden gebraucht, um die Reihenfolge ihrer Finger recht flüssig einzutippen. Lag wohl am Beruf, wie man im Publikum nicht ganz zu Unrecht maulte.
Das war Juppi Heesters allerdings schlicht egal und er machte ihr den Kavalier und bot ihr sogar etwas von seiner Infusion an, das der Kandidatin das angebotene Wasser schlicht zu nass war. Nun bewährte sich die Erfahrung von RTL mit Castingshows und die Tatsache, das Publikum und Kandidaten vorsorglich in medizinische Windeln gewickelt war, denn Frau Kupferbreitmauzwillingsfuss wurde im Angesicht der Aufregung, der Freude, des großen Glases Wasser und der bei Juppi geschnorrten Infusion schwer inkontinent und machte aus allen ihren Öffnungen und selbst für das Fernsehen so geräuschvoll unter sich, das RTL auf seine finanziellen Reserven zurückgreifen musste, weil dem zuständigen Tontechniker das Trommelfell platzte und er außer der Reihe und ohne Show notärztlich versorgt werden musste. Seit "Deutschland sucht den Superstar" ist RTL sowas gewohnt und daher kam es auch nicht überraschend, das ein Kandidat auch mal unter sich machte, aber so gestunken, wie bei der Alten aus Mühlheim hat es noch nie. Nur noch das Spontangeheule und unberechenbare Auslaufen weiland von Daniel Küblböck hatte ähnliches Format, aber der hat, schwer enttäuscht vom deutschen Publikum, Deutschland den Rücken gekehrt und in Schottland mit einem Schaf eine zärtliche Romanze begonnen, weil das Tier ihm noch als Einziger beim Jammern zusehen konnte. Völlig ergriffen blieb er gleich dort und die Deutschen zeigten sich begeistert.
Aber zurück zur Show von Frau Kupferbreitmauzwillingsfuss und Juppi Heesters. Da ihr Krebs im fortgeschrittenen Stadium war, hustete sie sich mehr durch die Fragen, als das sie antwortete, aber sie schlug sich tapfer. Juppi wischte sich auch diskret die eine oder andere Schleimspur aus dem Gesicht und hoffte auf baldiges Versagen der Frau. Welches auch prompt folgte. Frau Kupferbreitmaul scheiterte an der Erklärung, warum die Abgeordneten des Bundestags nach wie vor völlig freie ärztliche Behandlung genießen durfte und das Volk dafür Millionen blechen musste. Heesters war erleichtert und Frau Kupferbreitmauzwillingsfuss mit diesem Notstand nicht alleine, denn kein Politiker, egal von welcher Seite, konnte diesen Umstand glaubhaft erklären, warum nun gerade die Politiker, die für die Misere bei der Gesundheit die Verantwortung trugen und das Geld eigentlich hätten, so ungeschoren davonkommen! Frau Kupferbreitmauzwillingsfuss schlurfte mit ihrem Trostpreis, der aus 10 Arztbesuchgutscheinen und einer Packung Antiraucherkaugummis bestand, von der Bühne, das Publikum lärmte mit Bettpfannen und die Show war zu Ende.
Ich für meinen Teil gebe dann doch lieber Jauch den Vorzug, denn da lernt man mehr als nur die Unfähigkeit der Politik und das ist spannender. Noch ist so eine Gesundheitsshow blanke Fiktion, aber die Chancen dafür werden immer besser.