About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Wie alles begann und wie es jetzt ist

Dieses Mal etwas ausführlicher. Mit „alles“ ist in dem Fall und bei mir meine exzessive Nutzung des Internets bis heute gemeint, denn bis 1999 war ich nur mit AOL und/oder CompuServe im Internet, wenn mein zickiges Windows wieder irgendwelche Treiber brauchte, um halbwegs geregelt abstürzen oder sich aufhängen zu können. Das sollte sich ab Januar 99 alles radikal ändern.
Ich selbst war zwar schon ewig krank, aber noch so fit genug, dass ich alleine den Ostblock, Nordafrika und Asien bereist hatte und acht Bundesstaaten der USA mit einem damaligen guten Kollegen. Finanziell hatte ich ein gutes bis sehr gutes Auskommen und ich lebte auf recht großem Fuß, denn das Geld hieß noch D-Mark und weil ich gut arbeitete hatte ich ausreichend für meine damaligen Verhältnisse.
Es waren die üblichen Theaterferien zum Jahresanfang und ich langweilte mich tödlich. Der Fernseher lief rund um die Uhr, Premiere hatte ich noch nicht und da landete ich an einem Dienstag auf NBC, der erstaunlicherweise auf einmal komplett auf Deutsch sendete. Ich hab da vorher nur Jay Leno gesehen und von daher war der ziemlich weit hinten. An diesem Nachmittag, es war am Dienstag der 12. Januar 1999 und sah ich dort aber etwas völlig Neues, da war doch tatsächlich eine Show, die sich GIGA nannte und Computer und Internet zum Thema hatte.
Im Fernsehen lachten mich sympathische junge Menschen an, die sich alle mit Vornamen anredeten. Eine Miriam, eine Uta, ein Stefan, ein Jochen und ein George wirkten dabei besonders einladend. Man möge doch in den Chat kommen und mit ihnen über dies und das reden. Ich hatte gerade Internet über das, was bei der Telekom noch BTX genannt wurde und ziemlich teuer war, aber es war Neuland und ich war neugierig und so tat ich, wie befohlen und tippte brav die Adresse www.giga.de in meinen damaligen Browser, der von Netscape war und bekam die Meldung, dass der IE von Microsoft sehr viel optimaler sei und dann nahm ich den. Was sich dann da auftat, dass war für mich eine völlig neue Welt. Ich war immerhin schon 39 und habe mein Leben bis dahin nur real verlebt. Die völlig bunte und vor allen Dingen junge Welt von GIGA war etwas absolut Neues. Man konnte sich da in mehrere Chaträume, so hießen die Dinger, einloggen und ich entschied mich für den Netbeat, weil der Name mir zusagte. Weder Sport, noch die angebotenen Stars waren mein Ding, aber beim Herzschlag des Internet wähnte ich mich richtig.
Mir war absolut unklar, dass das eine Entscheidung war, die Jahre überdauern sollte. Zurück zum Chat. Dort konnte ich mich mit den erstaunlich jungen Menschen unterhalten und mit dem Netzmod, wie diese Utas, Jochen und Steffen sich nannten, wenn sie denn mal im Chat waren. Das „Unterhalten“ mit den Leuten war auch seltsam und neu. Man konnte ganz normal schreiben, in Großbuchstaben oder in der dritten Person in Fettschrift. Um das zu können, musste ich alter Sack etwas ganz Neues lernen, die so genannten Chatbefehle.
Dann gab es dort so eine Art Milizen, die wenig reden konnten, weil sie damit beschäftigt waren, das Benehmen der Leute zu regeln. Ein eher unerfreulicher Job. Diese Leute nannten sich Superuser, oder mit noch mehr virtueller Macht ausgestattet, VIPs.
Die VIPs dieser ersten Generation waren fast alle sehr freundliche Menschen, wie ich sehr viel später herausbekam, als ich sie bei dem einen oder anderen CT getroffen habe, oder sie mich schlicht und einfach besuchten, nach meiner lästigen Pflicht im Krankenhaus.
Unter den Leuten meiner ersten Stunde war auch Felix, der mir dann meine HP gebaut hat und zu dem ich auch heute noch ein ziemlich herzliches Verhältnis habe. Er ist wie ein kleiner Bruder, der nur etwas weiter weg lebt. Mit ihm zu reden, zu chatten macht auch Heute noch Spaß, obwohl es hauptsächlich über ICQ passiert, das Telefon oder bei einem Besuch.
Auch sonst überrollte die Realität schon 1999 die virtuelle Welt dieses Chats. Zum Ersten lernte ich sehr viele virtuelle Nicknamen als lustige Menschen ganz real auf diversen Treffen kennen und schätzen und zum Zweiten gab es einen Studenten von damals schon über 30, die beim virtuellen GIGA allen Ernstes auf einen Arbeitsplatz reflektierten. Offenbar war Ahnung von der Sache keine Bedingung und kein Kriterium, denn einer wurde tatsächlich eingestellt.
Er nannte sich fortan „Chef“, aber die Software des Chats beeindrucke das wenig und ihr Todesröcheln wurde immer lauter und an Gespräche darin war fast kaum noch zu denken. Die Leute gingen in Scharen, gute Chatter und die guten Moderatoren und GIGA wurde ein langweiliger Ort. Der neue Chef schaffte neue Chaträume, obwohl die alten kaum standhielten und verschärfte dadurch das Problem noch ein wenig.
Dann fühlte sich der nächste Student ins Internet berufen und fing beim wackligen GIGA an.
Er schaffte erst einmal die neuen Chaträume ab, die er bei seinem Vorgänger noch bejubelt und verteidigt hatte, aber sonst fehlte es auch an Ahnung. Der Vorgänger wechselte zur WPU, also zu der Abteilung, die für die Seiten verantwortlich war, aber er blieb bei dem Laden und bekam sogar weiter Geld für sein Tun.
Wobei dieses mittlerweile hauptsächlich darin bestand, ihm ungenehme Leute, darunter vordringlich mich, mit einem zweiten Alias im Forum zu jagen und tat ansonsten nichts von Bedeutung. Weil es auch sonst nichts zu tun gab, wechselten in der Commred, die das alles leitete, wieder einmal die Chefs.
Dieses Mal waren es zwei junge Damen, die nur mit noch weniger Ahnung glänzten. Ich schrieb also weiter eindringliche Warnungen in das damalige Forum, erregte Missfallen in der Chefetage, wurde geknebelt und auf Monate gesperrt. Dann war 1999 fast um, meine Sperre zu Ende und die Hatz im Forum gingen wieder los. Das ging dann bis April 2000 und meine angeschlagene Gesundheit ging dabei und bei etwas Stress in meinem Büro dann völlig in die Knie und ich war fast das ganze 2000 gesundheitlich abgeschaltet und verlor dadurch Job und Existenzgrundlage und musste auf Rente.
Erst am Ende des Jahres kam ich wieder und loggte mich natürlich wieder ein. Ich wusste es nicht besser.
Da lernte ich dann so interessante Leute, wie Julian und Daniel kennen. Julian hat mich schon mehrmals besucht. Nur dann hatte ich von GIGA die Schnauze wirklich voll und machte eine längere Tournee durch private Boards, die aber auch nicht viel brachte und nach längerer Auszeit kehrte ich 2004 zu GIGA zurück.
Nur was ich da vorfand, war eigentlich nur noch eine leere Hülle mit dem gleichen Namen, denn der Chat war derweil endgültig verreckt und jetzt gab es nur noch Foren. Zu meiner Überraschung sogar ein Politikforum, obwohl so etwas schon zweimal an rechtsradikalen Spinnern gescheitert war und wieder geschlossen werden musste. Sehr viel anders war und ist es jetzt auch nicht.
Nur das ich dieses Mal mitten drin bin und als streitbarer Linker ganz gerne gesperrt werde. Auch gibt jetzt gibt es genügend Demokraten, aber auch eben das Gegenteil.
In einer Zeit, wo es in der Maske des Biedermanns wieder Mode wird, Nazis zu wählen und das ist eine gefährliche Entwicklung bei der Jugend.
Es gibt dann sogar eigentlich erwachsene Leute, die nicht nur Rechts sind, sondern die auch nichts Besseres zu tun haben, als die Möglichkeit der Wertung von Kommentaren so auszunutzen, dass sie wirklich jeden Kommentar von mir schlecht bewerten und sich ansonsten hinter den Forenbetreuern verstecken.