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Wieder ein Jahreswechsel

Er fand wieder in der kleine Kneipe von Torstens Bruder Oli statt, aber diesmal sollte er ein klein wenig anders werden. Da Torsten wie jedes Jahr und zum Leidwesen seiner Frau Sabine Silvester als Musiker beschäftigt war, wurde ein Ersatzgatte gesucht, der ihn wenigstens gesellschaftlich vertrat, also quasi eine Anstandsperson und da verfiel man erstaunlicherweise ausgerechnet auf mich.
Nun ist Sabine eine entzückende junge Frau, die nichtnur gut aussieht, sondern auch zu unterhalten weiß und da mach ich das ganz gerne. Der Fahrdienst Molli, hauptberuflich meine Mutter, brachte mich zu Bine und uns dann zu Olis kleiner Kneipe, wo uns schon die üblichen, bekannten Gesichter fröhlich angrienten. Der Begrüßungslauf begann bei Oli und endete bei mir in den riesenhaften Pranken des mich beherzt umarmenden Peewee. Dann wusste ich, dass ich jenseits der Welt der virtuellen Vitazwerge in meiner guten und realen Welt angekommen war. Rein in die gute Stube und einen strategisch gut gelegenen Tisch zu Kaltem Buffet und WC belegt. Die vielen Gäste waren auch ziemlich multikulturell und von dunkelhäutigen Rastalockenträgern bis hin zu Hardcoresachsen gab es alles. Auch das kalte Buffet war auf Multikulti ausgerichtet. Von Chili Concarne bis zu etwas, das aussah, wie die Ratte am Spieß aus der Kultserie Die Dinos gab es da so ziemlich alles. Die erste Zeit verbrachten wir mit intensiven Gesprächen über Nichtig und Wichtigkeiten. Dann brach bei Bine der Taliban durch und sie wollte unbedingt knallen. Sie wollte das logischerweise außerhalb des Schankraums machen und schob mich die Treppen hoch zur Tür hinaus. Da konnte ich zwei Phänomene beobachten. Das Erste war, das sich Berlin wieder in irgendein Kriegsgebiet verwandelt hatte und die Stadt weit vor 0:00 Uhr anhörte, wie Kabul oder Bagdad. Nur, das dieselben Menschen, die das ganze Jahr über zuwenig Geld gejammert hatten, das Wenige, was sie noch hatten, in Lärm und Gestank aufgehen ließen.
Das zweite Phänomen war Bine, die ganz plötzlich als Teenager mit funkelnden Augen stand und wie eine Besessene zündelte und mich fast in Flammen aufgehen ließ. Für einen Augenblick wurde ich auch um Jahrzehnte jünger und zeigte Bine, welche interessanten Sachen so Raketen anstellen, wenn man sie nur auf die Straße legt und anzündet, anstatt sie in den Himmel zu schicken. Bine war begeistert und die Raketen dann bald auch alle. Nachdem sich unser Terroranfall fürs Erste gelegt hatte, gingen wir zurück zum Tisch und ich widmete mich voll und ganz meinen Neujahrsgrüßen per SMS, weil es genauso kam, wie ich ahnte und zum Jahreswechsel sämtliche Funknetzbetreiber von diesem wieder völlig überrascht wurden und alle Netze wie jedes Jahr besetzt in sich zusammenbrachen. So ging es langsam auf die 0:00 Uhr zu.
Das es dann soweit war, erkannte ich daran, das mir plötzlich ein Mädel um den Hals fiel, alles Gute für 2004 wünschte und im selben Satz an meinem Hals hängend erwähnte, das sie ja eigentlich keine Männer mehr knuddelte. Oha! Auf einen fragenden Blick zu Bine hin, sagte die, das das an meinem Hals eben Karoline gewesen sei. Ich kannte keine Karoline mehr, aber egal, denn Torsten kam und ich hatte ein anderes Problem, denn ich wurde vom riesenhaften Peewee mit der Zärtlichkeit einer hungrigen Anakonda umschlungen, der mir seinerseits auf die Art ein „Frohes Neues, Schubi!“ wünschte. Es war also soweit und draußen brach die übliche Hölle los, Bine hatte wieder das Funkeln in den Augen, genau wie Torsten und beide randalierten draußen los, wie die letzten Fundamentalisten. Als wir wieder an den Tisch gingen und der gesellige Teil begann, dass auf einmal ein menschliches Wesen von ziemlich weiblicher Bauart neben mir und verwickelte mich in ein langes Gespräch, soweit man das bei Olis 150 Dezibel rockiger Tanzmusik aus 30 Jahren überhaupt konnte. Es stellte sich heraus, das sie Judith heißt und sie machte nach fünf Minuten das, was ich früher an den Frauen am Wenigsten mochte, sie begann mich zu analysieren. Diesmal machte mir das nichts aus, ich empfand es sogar als sehr angenehm. Außerdem war es ein Gespräch über persönliche Niederlagen, Hoffnungs und Perspektivlosigkeit und bei diesen Themen bin ich seit 2000 nunmal Meister. Sie arbeitete zudem noch Artverwandt, beim Radio und das gab dann noch mehr Stoff. Telefonnummern und Mailadressen waren auch schnell ausgetauscht und das verspricht zumindest eine Weiterführung von interessanter Kommunikation. Die kleine Tanzfläche war voll mit gutausehenden Yachten und mittendrin ein Schlachtschiff, welches mit ihrem weiten Gewand bei dem, was sie als Tanz empfand auch schon mal ein Teil der Beleuchtung herunterfegte. Bine hatte gegen 2 Uhr recht finale Gedanken und Torsten brachte sie nach Hause. Ich schwatzte weiter angeregt mit Judith und war erstaunt, dass ich sowas noch konnte. So ganz war der alte Schubi dann also doch nicht weg, der geduldige Frauenversteher, der für so ziemlich jede Sorge ein Ohr und einen Rat hat. brauch ich also nurnoch Arbeit und Geld und ich bin zurück. Als Torsten dann wiederkam, hatte ich dann das sehr finale Gefühl, umarmte Judith noch mal kurz und war dann gegen 3:00 Zuhause. Dort sah ich dann im TV die Reste eines jämmerlichen Silvesterprogramms und war in meiner aktuellen Welt zurück. Als putzige Einlage kam nur noch ein Anruf eines sehr jungen Freundes, der mit seinem ersten Rausch kämpfte.
Die Werbung im TV wurde nicht müde damit zu drohen, das RTL jetzt auch die Superstars/Laborunfälle auch noch weltweit suchen wolle! Irgendwie nicht ganz nachvollziehbar für mich, da ich der unmaßgeblichen Meinung bin, das die Welt mit Superstars eigentlich versorgt ist, wenn ich da nur an Sting, Tina Turner und David Bowie denke!
Da jetzt nun noch picklige Laborunfälle bar jeglichen Talents, Stimme, Charisma oder gar etwas Können hineinzuschieben, bedeutet für mich eigentlich nur ein weiteres Sakrileg in Sachen Musik. Es wird Zeit, das wieder Silvester ist und ich es mit echten Menschen zutun bekomme. Nun hat sich ja erfreulicherweise für Silvester 2004 Julian angekündigt und das ist ein echter Mensch und Freund